OLDENBURG - Die meisten der 30 000 landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen können auf ein zufrieden stellendes Wirtschaftsjahr 2010/2011 zurückblicken. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus Anlass ihrer Kammerversammlung am Donnerstag in Oldenburg mitteilte, erzielte ein durchschnittlicher Haupterwerbsbetrieb zwischen 1. Juli 2010 und 30. Juni 2011 ein Ergebnis von 56 742 Euro – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Gerhard Schwetje, Vizepräsident der Kammer, sprach von einem „überdurchschnittlichen“ Ergebnis. Eine ähnlich gute Bilanz hätten die Bauern letztmals vor vier Jahren erzielt.

Allerdings habe es große Unterschiede zwischen den Betriebsformen gegeben. Während Marktfruchtbetriebe (Ackerbau) ihr Ergebnis im Durchschnitt um 45 Prozent auf 77 775 Euro steigern konnten und Futterbaubetriebe dank anziehender Milchpreise um mehr als 50 Prozent auf 74 036 Euro zulegten, mussten die Veredlungsbetriebe – und hier vor allem die Schweinehalter – erneut Einbußen von fast 30 Prozent auf 28 716 Euro hinnehmen. „Schweinehalter müssen im zweiten Jahr in Folge um ihre Existenz fürchten“, so Schwetje.

Insgesamt hätten mit Ausnahme der Veredlungsbetriebe die übrigen Betriebe aber rentabel gearbeitet. Dies schlage sich auch in einer gestiegenen Investitionsfreude nieder. Im Schnitt investierten die Betriebe 16 800 Euro – vor allem in Nebenbetriebszweige wie Biogas und Photovoltaik, aber auch in die landwirtschaftliche „Kernproduktion“.

Als beherrschende Themen bezeichnete Schwetje Dioxin und Ehec: „Wieder einmal geriet eine ganze Branche ohne eigene Schuld, sondern aufgrund verbrecherischer Machenschaften einiger Weniger an den gesellschaftlichen Pranger.“ Dabei seien die Bauern die Haupt-Leidtragenden gewesen. Vizepräsident Heinrich Grupe betonte, dass die Kammer mit Managementstrategien und Marktanalysen ihr Bestmögliches getan hätte, um betroffenen Landwirten zu helfen. Dies sei „Kundennähe in Bestform“ gewesen.

Kammerdirektor Jürgen Otzen wies darauf hin, dass die LWK 50 000 Anträge auf Direktzahlungen und 12 000 Anträge aus dem Bereich Agrarumweltmaßnahmen bearbeitet habe. Gelder mit einem Volumen von 900 Millionen Euro könnten so ausgezahlt werden.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft