OLDENBURG - Um 15.08 Uhr war es so weit: Die Kammerversammlung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK/Oldenburg) hatte Johann Arendt Meyer zu Wehdel aus Badbergen im Kreis Osnabrück zum neuen Präsidenten gewählt – das einstimmige Ergebnis wurde mit viel Beifall bedacht. Der 56-Jährige bedankte sich bei den 134 Delegierten für das „Riesen-Vertrauen“.
Zu einer großen Rede des Neuen an der Spitze kam es allerdings zunächst nicht. Meyer zu Wehdel musste sich erst einmal als neuer Versammlungsleiter durch die trockene Tagesordnung arbeiten und einer ausführlichen Rede des Landwirtschaftsministers Heinrich Ehlen zuhören. In den nächsten Jahren warteten „große Aufgaben“ auf die Kammer-Spitze, meinte Ehlen. Es müssten Weichen gestellt werden, damit „Niedersachsens Landwirtschaft in einer sich wandelnden Welt bestehen“ könne.
Das war eine Vorlage für Meyer zu Wehdel. In seiner ersten Rede als LWK-Präsident, die er souverän ohne abzulesen vortrug, predigte er den permanenten Wandel der Kammer-Organisation im Gleichschritt mit der Veränderung ihres Umfeldes. Es sei klar, dass in seiner sechsjährigen Amtsperiode rund 20 Prozent der Betriebe aufgeben würden – das zeige die Erfahrung der Vergangenheit. „Auch wir müssen uns verändern“, meinte Meyer zu Wehdel, der die „Kommission zur Neuordnung“ der Kammer anführte. Wichtig sei, die Mitarbeiter „mitzunehmen“, ihnen im Rahmen der Budgets Verantwortung und Entfaltungsmöglichkeiten zu lassen und ein Klima der Motivation und Begeisterung zu schaffen.
Der neue Präsident forderte einen „angemessenen Landeszuschuss“ und gab als Ziel vor, so effizient zu sein, dass das Land die Aufgaben nicht besser selbst erledigen könne. Der relativ hohe Kammerbeitrag habe „keine großen Spielräume“ mehr nach oben, und Service-Leistungen könne es nicht zum Nulltarif geben.
Nach außen hin wolle man daran arbeiten, die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft zu steigern. Es müsse bei Streitfragen „lösungsorientiert diskutiert“ werden. Ein Beispiel sei die Legehennen-Haltung.
Meyer zu Wehdel dankte ausdrücklich den bisherigen Co-Präsidenten Friedrich Scholten (einst LWK Weser-Ems) und Fritz Stegen (einst Kammer Hannover). Sie hätten in den drei Jahren seit der Fusion ein festes „Fundament gelegt“. „Ich ziehe vor ihnen ausdrücklich meinen Hut“, sagte der neue Präsident. Man komme innerhalb der Organisation immer mehr zum „Wir“ und verlasse die Polarität.
