OLDENBURG/LATHEN/HANNOVER - Der ehemalige Präsident des Oldenburger Oberlandesgerichts, Hartwin Kramer, begann seine Tätigkeit. Er kontaktiert zurzeit die Angehörigen.
Von Christian Schwarz
OLDENBURG/LATHEN/HANNOVER - Seit dem Wochenende steht fest: Der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichts Oldenburg, Hartwin Kramer, wird als Ombudsmann Ansprechpartner für die Hinterbliebenen und verletzten Unfallopfer der Transrapid-Katastrophe von Lathen. Seine Aufgaben erläutert er im Gespräch mit dieser Zeitung.Frage: Wann haben Sie von Ihrer Einsetzung erfahren?
Antwort: Am Freitag vergangener Woche bekam ich einen Anruf der Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann. Sie fragte, ob ich als Ombudsmann zur Verfügung stünde. Ich habe dann meinen Zeitplan geprüft, und da ich meine Tätigkeit in Serbien frei einteilen kann, habe ich zugesagt. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade in Belgrad.
Frage: Sie wollen für die Sorgen und Nöte der Verletzten und Hinterbliebenen Ansprechpartner sein. Worin genau besteht Ihre Aufgabe?
Antwort: Zunächst einmal darf ich keine Rechtsberatung geben. Das dürfen nur Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater oder ähnliche Berufe. Aber ich kann Rechtsberatung vermitteln. Psychologisch werde ich nicht aktiv – das ist gar nicht mein Fachgebiet. Wenn es darum geht, die Betreuer, die sich um die Hinterbliebenen der Verunglückten kümmern, zu finanzieren, werde ich wieder tätig.
Frage: Der Landkreis Emsland hatte nach dem Unglück bereits einen Ansprechpartner für Angehörige eingesetzt. Haben Sie dessen Aufgaben jetzt übernommen?
Antwort: Die Aufgaben sind im Wesentlichen auf mich übergeleitet worden. Das entspricht auch dem Wunsch aller Beteiligten, also auch dem des Landkreises Emsland. Dennoch bleibt dieser für die Betroffenen aus dem Kreis zuständig. Wir werden aber zusammenarbeiten. Ich werde den Spenden-Fonds verwalten, dies aber immer im Kontakt mit dem Landkreis.
Frage: Wie kommt der Kontakt mit den Angehörigen zustande?
Antwort: Wir haben die Menschen heute angeschrieben und ihnen mitgeteilt, wie sie mit mir in Kontakt treten können. Ich hatte schon ein kurzes Gespräch mit einer Angehörigen der vier Kinder, deren Eltern ihr Leben verloren haben. Den Kontakt werde ich jetzt intensivieren. Was dann konkret getan wird, muss in jedem einzelnen Fall neu entschieden werden.
Frage: Beim Zugunglück von Eschede wurde auch ein Ombudsmann eingesetzt. Haben Sie sich von dessen Arbeit schon ein Bild machen können?
Antwort: Natürlich denke ich an Eschede, das liegt ja nahe. Bisher hatte ich aber noch nicht viel Vorbereitungszeit. Ich plane aber, Erfahrungen aus dem Fall Eschede abzurufen und mit dem Ombudsmann in Kontakt zu treten.
Frage: Sie sind selber einmal mit dem Transrapid gefahren. Glauben Sie, die Technologie hat noch Zukunft?
Antwort: Der Pressesprecher des Landkreises Emsland hat gesagt, er würde es begrüßen, wenn die Teststrecke nach der Aufklärung wieder in Betrieb geht. Dieser Auffassung würde ich nicht widersprechen.
