OLDENBURG - 52 Jahre lang war Rolf Gerken mit Leib und Seele Druck-Unternehmer, als er am 1. Januar 2001 seine Etiketten-Druckerei an die Bagel-Gruppe in Düsseldorf verkaufte. Bereut hat er diesen Schritt nie – und Langeweile gibt es für den heute 82-Jährigen im Ruhestand nicht.
„Es ist beruhigend, zu wissen, dass ich damals meine 129-köpfige Belegschaft in sichere Hände und eine sichere Zukunft gegeben habe", sagt er heute. Er selbst hat nur 2007 wegen einer Versicherungsangelegenheit noch einmal sein früheres Unternehmen betreten.
Und das, obwohl er in unmittelbarer Nachbarschaft zur Firma wohnt. „Ich habe mit 75 Jahren meinen Betrieb verkauft, da es keine Kinder als Erben gibt. In diesem Alter muss man bereit sein los zu lassen, so lange Körper und Kopf funktionieren“, steht für ihn fest.
Die zunächst geplante Berater-Tätigkeit hat er nie ausgeübt. Dies begründet Gerken so: „Es ist ein wesentlicher Wandel, wenn ein Unternehmen nicht mehr vom Inhaber, sondern von einem Geschäftsführer geführt wird. Diese Differenz ist groß, allein von der Verantwortung her". Kontakt zu seinen früheren Mitarbeitern hält er aber noch heute, und diese freuen sich über den einen oder anderen Plausch mit ihm.
„Auch wenn mir anfangs die Umstellung schwer fiel, kann ich heute sagen, meine Frau Helga und ich haben keine Langeweile. Entscheidend ist, dass man sich daran gewöhnen muss, dass man keine wirtschaftliche Verantwortung mehr hat“.
Viel Wert legt Gerken heute auf sportliche Aktivitäten, um fit zu bleiben. Dazu gehören jeden Tag zehn bis 15 Kilometer Rad fahren, 20 Minuten schwimmen und zwei- bis dreimal in der Woche beim Golfclub am Meer in Bad Zwischenahn Golf spielen. „Dazu kommen noch verschiedene Einladungsturniere", erzählt Rolf Gerken.
Darüber hinaus unternehmen Rolf und Helga Gerken heute manche Reise, die sie früher wegen der Firma nicht machen konnten.
Dazu gehört alljährlich ein achtwöchiger Kenia-Aufenthalt. „Das Klima dort ist wie ein Jungbrunnen für mich. So lange ich das kann, reisen wir dort hin. Acht Wochen Urlaub im Stück, das wäre früher undenkbar“, sagt er. Zudem geht das Ehepaar gerne gut essen. „Auch die Kontakte zu unseren Freunden konnten wir früher nicht in diesem Maße pflegen“. Während der Fußball-Saison stehen ferner die Besuche des VfB auf dem weiterhin gut gefüllten Terminkalender.
Nach Krieg und Gefangenschaft machte der gelernte Buchdrucker Rolf Gerken seine Lehrmeister- und Betriebsleiterprüfung. Im Jahr 1949 folgte die Selbstständigkeit. Er übernahm den väterlichen Betrieb, der bereits 1929 als klassische Buch- und Akzidenzdruckerei gegründet worden war. „Als ich drin war, habe ich es erst einmal bereut“, erinnert er sich.
Mit Fleiß, Einfallsreichtum und dem Mut zur permanenten Innovation (so unter anderem 1961 die Umstellung auf den Druck von Etiketten sowie 1999 der Bau eines Gebäudes am Patentbusch für den Bereich Flexodruck ) hat er es jedoch geschafft, die Druckerei zur heutigen Größe auszubauen.
„Geht nicht, gibt's nicht. Wer macht, der macht. Und: Der Konkurrenz stets einen Schritt voraus sein“, lauteten seine Prinzipien – ein Erfolgsrezept.
