OLDENBURG/LEIPZIG - Für Rätselraten in der Energiebranche haben die überraschende Niederlage von EWE-Chef Dr. Werner Brinker am Dienstag bei der Wahl des Aufsichtsratschefs bei der Leipziger EWE-Beteiligung VNG und der angebliche Rücktritt des VNG-Vorstandschefs Klaus Ewald Holst als EWE-Vorstandsmitglied gesorgt.
Der Oldenburger Versorger ist bei dem Ferngasunternehmen mit 47,9 Prozent größter Anteilseigner. Brinker saß seit dem Einstieg der EWE am 1. Januar 2004 an der Spitze des Gremiums. Künftig wird er „nur“ noch normales Mitglied im Aufsichtsrat sein. Zum neuen Vorsitzenden wurde Karsten Heuchert, Vorstandsmitglied der Wintershall Holding AG (Celle), gewählt.
In Branchenkreisen war von einer Wiederwahl Brinkers ausgegangen worden. Auch Björn Thümler, Mitglied des niedersächsischen Landtags aus Berne (Kreis Wesermarsch), der erstmals in den VNG-Aufsichtsrat gewählt wurde, aber nicht an der konstituierenden Sitzung des Gremiums teilnehmen konnte, zeigte sich auf Anfrage dieser Zeitung überrascht.
Nach Informationen der „Berliner Zeitung“ sollen „unüberbrückbare Differenzen zwischen Holst und Brinker über die strategische Ausrichtung sowohl der VNG als auch der EWE“ Auslöser der Turbulenzen gewesen sein. Das Fass zum Überlaufen soll das Bietergerangel um die Stadtwerke Leipzig gebracht haben. 22 Interessenten, darunter auch VNG zusammen mit der Landesbank Sachsen, haben ihr Interesse an der Übernahme der ausgeschriebenen 49,9-Prozent-Beteiligung bekundet. Jetzt sickerte durch, dass auch die EWE selbst
ihren Hut in den Ring geworfen hat.
Auf die Frage, warum sowohl die VNG als auch die EWE ins Bietergefecht eingestiegen seien, hieß es bei der EWE, dass man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein wolle. Zudem sei das Vorgehen innerhalb des Konzernpräsidiums abgestimmt worden. Laut „Berliner Zeitung“ soll Brinker Holst über diesen Schritt jedoch nicht vorab informiert haben.
Neben der EWE gehören eine Gruppe ostdeutscher Kommunen (25,79 Prozent) und die BASF-Tochter Wintershall (15,79) zu den größten VNG-Aktionären. Weitere Anteilseigner sind Gazprom Germania (5,26) und die Berliner Erdgas Transport (5,26).
