OLDENBURG - Investitionsentscheidungen von Landwirten werden immer folgenreicher für die Betriebe und die ganze Landwirtschaft – und zugleich immer komplexer und schwieriger zu treffen. Darauf wies Gerhard Schwetje, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, beim 12. Unternehmertag in der Oldenburger Weser-Ems-Halle hin. Einerseits werde eine nachhaltige Landwirtschaft gefordert, die sich an den Bedürfnissen der heutigen und zukünftigen Generationen, an begrenzten Ressourcen und der Belastbarkeit von Ökosystemen orientiere; andererseits solle aber eine steigende Zahl von Menschen versorgt werden, konstatierte Schwetje vor rund 1000 Landwirten.
„Die Landwirtschaft in Deutschland ist in ihrer heutigen Form Richtung weisend“, meinte er. Aufgrund strikter Vorschriften zum Dünge-, Umwelt- und Tierschutzrecht komme sie „dem Idealbild einer nachhaltigen Landwirtschaft sehr nahe“. Der LWK-Vizepräsident bedauerte, dass dies in der Gesellschaft „kaum wahrgenommen“ werde. Es müsse ein realistisches Bild präsentiert werden, um die Wachstumsperspektiven für die Betriebe zu erhalten. Schwetje vertrat zugleich die Auffassung, global komme man an einem radikalen Wandel der Nahrungsmittelproduktion nicht vorbei.
Die gegenwärtige Wirtschaftsweise in den entwickelten Ländern sei nicht nachhaltig, meinte Professor Franz-Josef Radermacher, Leiter der Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung der Universität Ulm, beim Unternehmertag, der von der LWK gemeinsam mit den Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems und dem Landvolk Niedersachsen veranstaltet wurde. Der Ressourcenverbrauch und die Klimagas-Produktion seien viel zu hoch. Wenn „alle auf der Welt unser Wohlstandsniveau erreichen“ sollten, dann „reichten die Ressourcen nicht für alle“.
Radermacher zeichnete drei Szenarien für die weitere globale Entwicklung auf: entweder eine vernünftige „ökosoziale Marktwirtschaft“ mit gesundem Wachstum, oder ökologischer Kollaps mit extremen Konsequenzen wie Hungersnöten, oder Ökodiktatur mit Verarmung breiter Bevölkerungsschichten auf dem Globus. Über die Zukunft werde vor allem die Art der weltweiten Zusammenarbeit entscheiden, meinte Radermacher. Wünschenswert sei eine „Welt in Balance“. Der Forscher empfahl den Landwirten, „mit Weitsicht zu investieren“. Größe könne bei ungünstiger Entwicklung und hohem Fremdkapitaleinsatz zum Problem werden und zu Verlust von Eigentum führen. Er riet zu Strategien, in denen auch im ungünstigen Fall Kredite zurückgezahlt werden könnten.
LWK-Betriebsberater Uwe Bintz wies darauf hin, dass bei Investitionen von Landwirten immer häufiger die Millionen-Marke überschritten werde. Zugleich würden die Intervalle kürzer, und der Einsatz vom Fremdkapital nehme zu. Zudem stiegen die Flächen-Preise teilweise „massiv“. Am stärksten gerechnet hätten sich über die Jahre Investitionen in Geflügel. Zurzeit interessiere sich mancher Betrieb zusätzlich für Eier aus Freilandhaltung. Ferkelerzeuger stünden „mit dem Rüken zur Wand“, sagte Bintz. Generell klafften die Erträge auseinander. Bintz riet dazu, „Produktionsreserven zu nutzen“.
Beim Unternehmertag stellten zwei Landwirte ihre Strategie vor: Dirk Frahne (Goldenstedt/Kreis Vechta) mit Schwerpunkt Ferkelerzeugung und Dirk Böschen aus Grasberg bei Bremen mit dem Schwerpunkt Milchproduktion (800 Tiere). Frahnes Rat: „risikooptimiert, langsam wachsen“. Man müsse bei der Leistungsfähigkeit zum oberen Viertel gehören.
