OLDENBURG - Am Anfang stand eine Leidenschaft und ein daraus resultierender Ärger. Sven Matschinsky (29), Mediendesigner, sammelt seit frühester Jugend Sneaker. Das sind Sportschuhe, die man im Alltag trägt. Man entwickelt Verbindungen zu bestimmten Marken, erinnert er sich doch wenn man auf deren Internetseiten Kritik übt oder Vorschläge macht, wird man ignoriert. Zudem würden große Marken altehrwürdige Modelle in neuen Farben nochmals auf den Markt werfen und das Angebot verwässern. Da wollten wir mal zeigen, sagt Matschinsky, wie es anders geht.
Wir das sind Matschinsky und sein Berufskollege Oliver Baumgart (27) aus Fulda. Die beiden trafen sich beim Studium in Ravensburg und merkten schnell, dass sie die gleiche Sammelleidenschaft teilten. Daraus entwickelte sich eine Idee für die Abschlussarbeit: Sie wollten binnen drei Monaten eine eigene Sneaker-Marke entwickeln und die Sammler via Internet am Prozess beteiligen.
Wichtig: Wir wollten etwas Exklusives. Alle Materialien aus Deutschland, ein ganz eigenes Design und selbst beim Namen gabs Besonderes. Der Markenname Flaek stammt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet einen keilförmigen Unterstand, der Schuhname Kaalen hi bedeutet hohe Kohle und bezieht sich aufs Design. Das Niederdeutsche soll auf Oldenburg hinweisen, sagt Matschinsky, der bei Jordan Mediendesign arbeitet und ein duales Studium macht je drei Monate Uni und Arbeit im Wechsel.
Design und Name stellten die beiden ständig auf ihren Blogs und Profilen zur Diskussion, informierten die Interessierten auch über Facebook und Twitter. Wir wollten zeigen, dass es gut ist, die Menschen mitreden zu lassen, und haben alles beantwortet, sagt Matschinsky. Dass das klappte, sei auch eine wichtige Erfahrung für die Kundenberatung im Hauptberuf.
Den Turnschuh selbst entwickelten die beiden mit Hilfe des Oldenburger Schuhmachers Frank Simme. Das war schon eine ganz besondere Herausforderung, erinnert der sich. Kollisionen zwischen Designwünschen und handwerklich Machbarem, Termine am Sonntag um 6 Uhr aber es war toll, sagt Maßschuhmacher Simme.
Jetzt gibt es zwei Prototypenpaare, eins für Sven und eins für Oliver. Die haben jetzt eine geschützte Marke, 400 Bestellungen auf ihrer Internetseite (für einen Schuh, den es noch nicht gibt) und müssen sich überlegen, ob und wie sie sie produzieren lassen: Wir wollen das nicht in Asien als Massenware machen, sagt Sven. Nur so aber wären sie für 100 Euro zu haben ihre Luxusversion mit Kirschholz-Box in Handarbeit würde bis zu 2000 Euro kosten. Schwere Entscheidungen aber es ist keine Arbeit, es ist Spaß und es fängt jetzt erst richtig an. Offenbar mit mächtig Schub. Denn: Die Abschlussarbeit war eine glatte Eins. Und die Fachmagazine haben berichtet.
Mehr Infos unter www.flaek.de/blog
