OLDENBURG - Vor allem Fahrradfahrer erfrischen sich hier gerne. Es gibt auch Informationen rund um das Thema Milch.

Von Klaus-Peter Jordan

OLDENBURG - Sie nennen sich Melkhus, Melkhuske oder Mölkstand. Über 60 von ihnen gibt es bereits in ganz Niedersachsen. Und fast jedes Jahr werden es mehr. Wer es hochdeutsch liebt, sagt Milchraststätten zu ihnen.

Die Idee stammt von Friedel Schumacher, einer Milchbäuerin aus dem ostfriesischen Rheiderland, weiß Urte Backhaus von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen in Oldenburg. Mit Gleichgesinnten fasste sie 2001 mehrere Milchraststätten zu einer ,,Milchstraße'' zusammen, der so genannten Dollart-Route. Heute gibt es in Niedersachsen zehn solcher ,,Milchstraßen'', drei allein im Oldenburger Land: in der Wesermarsch, im Ammerland und im Naturpark Wildeshauser Geest.

Ein Melkhus ist eine ,,kleine Jausenstation, an der sich Ausflügler mit frischer Milch, Milchprodukten und kleinen Snacks erfrischen können'', beschreibt Peter Wachter, Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die noch recht junge Geschäftsidee von zumeist Milchviehbetrieben. ,,Aber es werden auch Informationen rund um die Milch und die regionale Milchwirtschaft gegeben'', ergänzt Backhaus.

Die Melkhuskes, kleine Holzhäuser mit Sitzgelegenheiten davor, werden von den Milchbauern meist am Rande ihres Betriebes errichtet. Die Saison beginnt im Mai; dieses Jahr waren wegen des sommerlichen Frühjahrswetters viele schon im April geöffnet. Gäste sind meist Radfahrer, aber auch Spaziergänger, Autofahrer und gar nicht selten Inline-Skater, weiß Urte Backhaus. Hochsaison ist an den Wochenenden von Mittags bis in den Abend, wenn sich die Ausflügler nach schöner Tour eine Erfrischung gönnen wollen. Und: Der Besucherandrang bei den Melkhuskes steht und fällt mit dem Wetter.


Häufig laufen die Milchraststätten als Selbstbedienungseinrichtungen, ,,da Personalkosten für eine ständige Bewirtschaftung durch die Einnahmen nicht gedeckt werden könnten'', erklärt Wachter. Aus einem Kühlschrank bedienen sich die Ausflügler aus einem großen Angebot an Milchprodukten. Die Palette reicht von einfacher Milch über diverse Milchshakes, Eis und Milchreis bis hin zu Käsespezialitäten.

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft sieht in den Melkhuskes aber auch ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit für die Milch und unterstützt die Betreiber. ,,Wir stellen den Betreibern Informationsmaterial über Milch und Milchprodukte zur Verfügung, das sie in den Häuschen auslegen können'', sagt Urte Backhaus. ,,Außerdem schulen wir die Bäuerinnen, z.B. zu Themen wie Produktangebot und Hygienemaßnahmen.'' Oft bewirteten die Betreiberinnen ihre Gäste auch persönlich. Viele hätten einfach Spaß daran, ihr Wissen über Milch und die heimische Milchwirtschaft weiter zu geben und Kontakt mit Kunden zu haben, weiß Backhaus.

Höhepunkt der Saison soll – so das Wetter mitspielt – das erste Wochenende im Juni werden. Denn am Freitag, den 1. Juni, ist der Internationale Tag der Milch. Es soll zusätzlich zu dem Produkt- und Informationsangebot Aktionen geben, wie z.B. Vorlesestunden für Kinder oder ein Quiz, wobei allerdings jedes Melkhus für sich entscheidet, was es anbietet. Auch zwei neue Milchmixgetränke hat die Landesvereinigung der Milchwirtschaft für diesen Anlass kreiert: Mango-Tango und Kühle Kirsche – die Fruchtbezeichnungen lassen den Geschmack erahnen.

Im Melkhus von Karin Wilkens an der Kühlinger Straße in Ganderkesee ist allerdings immer noch ein Erdbeer-Shake der Renner. ,,Darauf ist die Dorfjugend ganz heiß'', weiß sie. Und auch der After-Eight-Becher laufe sehr gut. In der Saison steht sie meist immer selbst im Melkhus, und die ganze Familie hilft mit: ,,Im Sommer dreht sich unser Leben eigentlich nur um das Melkhus.''