OLDENBURG - Bei Bodenuntersuchungen auf dem Gelände der 1969 geschlossenen Tierkörper-Beseitigungsanlage am Johann-Justus-Weg sind Sporen des Milzbrand-Erregers gefunden worden. Das teilte die Stadt am Mittwochvormittag mit. Die Sporen fanden sich in einem sehr kleinen Bereich eines etwa 1000 bis 1500 Quadratmeter großen Areals, in dem offenbar unbehandelte Tierkadaver vergraben wurden. Nach Angaben von Dr. Frank Bazoche, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt, besteht keine Gefahr einer Ansteckung, wenn man nicht auf das Gelände geht und dort gräbt. Für eine Erkrankung sei die Aufnahme einer hohen Zahl von Erregern nötig.
Das Areal der Anlage, die 1906 in Betrieb genommen worden war, wird seit 2010 von Experten des europaweit tätigen Büros HPC AG untersucht. Dessen Gutachter Oliver Böcker sagte, dass die Sporen unterhalb des Oberbodens lägen und daher keine Gefahr bestehe, dass sie vom Wind verteilt würden.
Dennoch wird die Stadt als Konsequenz aus dem Fund das betreffende Areal in den nächsten zwei bis drei Wochen mit einer wasserundurchlässigen Schicht abdecken. Zudem werde der seit 1998 bestehende Zaun ums Gelände an allen Stellen auf 2,10 Meter Höhe gebracht.
Oberbürgermeister Gerd Schwandner kündigte zudem an, dass das Gelände rund um die Uhr von Mitarbeitern der Stadt und einem privaten Sicherheitsdienst bewacht wird. Oldenburgs Polizeichef Johann Kühme kündigte bis zur Fertigstellung der Abdeckung verstärkte Streifenfahrten rund um den Bereich an und sagte: Wer nicht auf das Gelände geht, muss keine Angst haben. Die Stadt geht sehr verantwortungsvoll mit der Lage um. Laut Schwandner hat die Stadt alle direkten Anlieger (AOK, Schützenverein Wechloy, Bauunternehmen Hecker und ein Landwirt) über den Fund informiert. Wir gehen offen damit um. Wir tun, was nötig ist.
Dr. Frank Bazoche sagte, dass Milzbrand als Krankheit in der Region nie eine Rolle gespielt habe. In Deutschland habe es seit 1994 vier Fälle gegeben. Drei der Erkrankten hätten sich als Drogensüchtige an kontaminiertem Heroin angesteckt.
