OLDENBURG - Es ist fünf Uhr morgens. Markus Bathen verbringt eine warme Juni-Nacht auf seinem Jagdansitz in der Lausitz. 50 Meter vor ihm taucht plötzlich das auf, wonach er schon jahrelang Ausschau hält - ein Wolf. Bathens Hund „Tapo“, der unter dem Jagdansitz schläft, wittert den Besucher. Für Bathen ist es die erste Begegnung mit einem Wolf in freier Wildnis und ein Meilenstein eines langen Engagements für Natur und Tier.
Am Montagabend hielt Bathen im Rahmen des vom Naturschutzbund (Nabu) initiierten Projektes „Willkommen Wolf“, in dem er seit fünf Jahren als Projektleiter fungiert, im Oldenburger Kulturzentrum PFL einen Vortrag. Sein Ziel ist klar: „Die Wölfe haben aufgrund der Kulturgeschichte ein bestimmtes Image, das nicht korrekt ist. Die Leute müssen aufgeklärt werden“, berichtet Bathen. Wölfe seien nicht konfliktfreudig, sondern scheu gegenüber dem Menschen. Angriffe auf Nutztiere wie Schafe ließen sich nicht vollständig vermeiden, können aber durch Zäune oder Hütehunde stark eingegrenzt werden.
Er wolle die Faszination des Tieres weitergeben. Die Rückkehr des Wolfes sei ein großer Schritt für die Artenvielfalt. 50 Wölfe gebe es inzwischen in der Lausitz, in Niedersachsen sind es vier - Tendenz steigend. „Die Wölfe sind sehr gute Läufer. Es ist wahrscheinlich, dass auch im Oldenburger Land Rudel ansässig werden“, prognostiziert er. Sein Vortrag in Oldenburg ist ein Teil einer Drei-Tages-Tour. Bathen: „Berlin, Wetzlar, Oldenburg - die Veranstaltungen sind immer gut besucht.“
In Köln geboren und aufgewachsen führte er schon als Junge nicht das klassische Großstadtleben. Mit 13 Jahren begann er sich für das Naturschutzgebiet rund um den Flughafen Köln/Bonn ehrenamtlich zu engagieren und fand darüber den Weg in die Naturschutzjugend. „Das war halt schon immer genau mein Ding“, erklärt der heute 39-Jährige. Rund 25 Jahre ist er inzwischen aktiv. Nach der Schule studierte er zunächst Forstwirtschaft, packte anschließend ein Naturschutz-Studium drauf. Ein Praktikum in der Lausitz bei einem Wildbiologischen Büro führte ihn letztlich zu seiner heutigen Aufgabe als Projektleiter.
Dass die Wölfe gegenüber den Menschen scheue Tiere sind, zeigt auch Bathens erste Begegnung im Sommer des vergangenen Jahres. Nachdem der Wolf sein Revier markierte, bemerkte er die Anwesenheit von Bathen, legte kurz die Ohren an und ging auf Distanz. „Durch das Abfährten im Anschluss, konnte ich feststellen, dass der Wolf einen großen Bogen um mich gemacht hat und dann erst seinen eigentlichen Weg wieder aufnahm“, so Bathen.
