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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

So will die IHK den ländlichen Raum stärken

09.01.2019

Oldenburg Mehr Förderung für den ländlichen Raum im Nordwesten hat die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) angemahnt. Die Wirtschaftskammern in Oldenburg – neben der IHK auch Landwirtschaftskammer und Handwerkskammer – würden derzeit „gemeinsame Positionen und Handlungsempfehlungen zur Stärkung“ erarbeiten, sagte IHK-Präsident Gert Stuke am Dienstagabend beim traditionellen Neujahrsem­pfang der Kammer in der Oldenburger Weser-Ems-Halle. Alle Branchen – Industrie, Handwerk, Handel und Landwirtschaft – seien von starken und funktionsfähigen ländlichen Regionen abhängig.

„Auch bei uns gibt es Regionen, die wir stärker ins Blickfeld nehmen müssen“, meinte Stuke mit Blick auf erhebliche Unterschiede bei der Wirtschaftskraft und Infrastruktur-Ausstattung. „Ganze Regionen könnten von der zukünftigen Entwicklung abgehängt werden“, mahnte er.

Chancen abseits der Metropolen

Doch dazu müsse es nicht kommen: „Wenn es gelingt, mit einer flächendeckenden Infrastruktur ländliche Regionen abseits der Metropolen beim digitalen Wandel mitzunehmen, ergeben sich enorme Chancen“, sagte der IHK-Präsident vor gut 800 Vertretern von Wirtschaft, Politik und Verwaltung aus der Region. Konkret: Digitale Techniken könnten die Überwindung von Distanzen erleichtern. Durch optimale Vernetzung ließen sich Standortnachteile gegenüber Ballungsräumen teils ausgleichen. Stuke mahnte einen Ausbau der Kommunikations-Infrastruktur an: „Ohne leistungsfähige Breitbandanschlüsse wird es künftig kaum noch zu Neuansiedlungen von Betrieben kommen.“ Der IHK-Präsident: „Schnelles Internet gehört deshalb heutzutage zum Hausanschluss wie Strom und Wasser!“

Stuke dankten allen Politikern im Landtag, die sich für „weitere 40 Studienplätze“ für Medizin in Oldenburg eingesetzt hätten. Dies sei eine für die Versorgung des ländlichen Raumes wichtige Entscheidung gewesen. Und sie zeige, wie die Region bei wichtigen Projekten an einem Strang ziehe.

Der IHK-Präsident beschrieb die wirtschaftliche Lage im Oldenburger Land als gut, den Jahresausklang als „versöhnlich“. Noch nie habe es so viele Beschäftigte wie derzeit gegeben. Allerdings sei zurzeit eine Abschwächung der Konjunktur spürbar.

Steuern senken!

Und: 2018 „wieder einmal eine Chance vertan worden, wieder mal keine Unternehmenssteuerreform“. Im internationalen Vergleich rangiere die Steuerbelastung der Unternehmen „bereits heute im oberen Drittel“. Dies sei „ein echter Standortnachteil“, kritisierte Stuke, auch mit Blick auf kräftig sprudelnde Steuereinnahmen des Staates.

Er empfahl gegen den Fachkräftemangel, der ein „Top-Thema“ für die Firmen sei, „mehr Frauen in Beschäftigung zu bringen“, die Kinderbetreuung „noch konsequenter“ auszubauen sowie „noch mehr flexible Arbeitszeitmodelle“. Auch sei die „Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern im Rentenalter ein interessantes Instrument“.

In Richtung des anwesenden Umweltministers Olaf Lies (SPD, Sande) formulierte Stuke „Handlungsbedarf“ bei der Energiewende. Man dürfe sich nicht durch immer höhere Kosten ins Abseits manövrieren lassen. Deutschland sei bei den Strompreisen bereits Spitzenreiter. Die Netze sollten ausgebaut, die Kosten müssten reduziert werden, etwa auch durch die Verringerung von Stillstandzeiten von Windkraftanlagen.

Wirtschaftsminister Olaf Lies rief zum Jahresauftakt zu Gelassenheit und einer gesunden Diskussionskultur auf, auch dazu, positiv zu denken sowie klare Aussagen zu machen und „die Menschen mitzunehmen bei den Veränderungen“. Innovationen müssten mit gezielten Anreizen gefördert werden. Es müsse künftig auch gelingen, Infrastrukturprojekte zügiger umzusetzen: „Wir brauchen eine gute Infrastruktur und werden dafür arbeiten“, versprach er.

Lies: Innovationen in Fläche fördern

Dies gelte auch für die Digital-Infrastruktur. Lies plädierte für eine voll flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur „auch im ländlichen Raum, so wie es für Städte selbstverständlich ist“. Zielwert müssten rund 99 Prozent der Haushalte sein. Dies werde helfen, geografische Distanzen zu überwinden und Innovationen in der Fläche zu stimulieren.

Im weiteren Verlauf des Abends nahmen Lies und Stuke an einer Diskussionsrunde unter Leitung von Prof. Rainer Lisowski teil. Ein Hauptthema: Der Investitionsbedarf in der Infrastruktur. Stuke forderte, Planungszeiträume zu verkürzen und unter bestimmten Umständen Klagemöglichkeiten einzuschränken. Lies plädierte dafür, Investitionen in Bahnstrecken und Straßen zu verstetigen. Er sieht generell für den Nordwesten große Chancen durch Erneuerbare Energien – einschließlich synthetischer „Power Fuels“ auf der Basis von Ökostrom. Der Umweltminister plädierte für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven sowie eine Batteriezellenproduktion in der Region - „dort, wo ja auch die erneuerbare Energie produziert wird“. Auch Wasserstoff werde zum Thema.

Mehrfach Applaus gab es sowohl für Stuke als auch für Lies, als es um die Europawahl im Mai ging. Tenor: Man müsse diejenigen stärken, die Europa weiter gestalten wollten.

Hildebrandt folgt Peters

Offiziell verabschiedet wurde beim Neujahrsempfang - mit Dank für sein Engagement - der bisherige Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters. Zwölf Jahre lang hatte er an der Spitze der IHK-Geschäftsführung gestanden. Vorgestellt wurde sein Nachfolger Dr. Thomas Hildebrandt – ein guter Bekannter für die Unternehmen, denn Hildebrandt hatte mit ihnen über viele Jahre die Ausbildung in der Region vorangebracht. Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung ist nun Stefan Bünting.

Beifall für Top-Azubi und Schülerband

Geehrt wurden Marc große Austing (große Austing GmbH/Lohne), dessen Unternehmen zu den ersten gehörte, die mit dem IHK-Gütesiegel „Top-Ausbildung“ ausgezeichnet wurden, sowie Jannik Lichterfeld, ehemaliger Auszubildender, als bundesbester Absolvent.

Viel Beifall bekam die Big Band der Liebfrauenschule Oldenburg für Ihre Darbietungen (Leitung: Johannes Möller).

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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