OLDENBURG - Dachfläche 700 Quadratmeter. Da wird man lange suchen müssen, um ein ähnlich großes Einfamilienhaus wie das der Addicks’ in Oldenburg zu finden. Geht eigentlich sowieso nicht, Edel und Dirk Addicks wohnen mit Tochter Eilika ja nicht im Einfamilienhaus, sondern in einem Bauernhaus. Ihnen gehört der Mehrens-Hof in Ohmstede, ein wunderschönes reetgedecktes Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. Die Addicks wohnen wahrhaftig in einem Monument, das an die große bäuerliche Tradition der Stadt erinnert.

Der 4500 m² große Hof, dessen Existenz mindestens bis auf das Jahr 1428 zurückzuführen ist, befindet sich seit ewigen Zeiten im Familienbesitz – Edel und Dirk Addicks sind sich der Verantwortung bewusst. „Als wir vor der Entscheidung standen, im Zuge eines Erbes das Anwesen zu übernehmen, haben wir erst gezögert. Doch dann haben wir ganz bewusst und sehr gern den Schritt vom normalen Haus zum Bauernhof gemacht“, erklärt Edel Addicks (61). „Das Haus in Schuss zu halten, ist Vergnügen und Aufgabe zugleich“, ergänzt ihr 62 Jahre alter Mann, der viele Dinge selbst erledigt. Deshalb: „Der Spaß überwiegt.“

Vielleicht auch deshalb, weil Denkmalschutz und Monumentendienst hilfreich zur Seite stehen, wenn es um Reparaturen geht, die die Gebäude betreffen. Derzeit bereitet die große Scheune gleich neben dem Wohnwirtschaftsgebäude die größten Sorgen. „Die Substanz hat gelitten durch ein zu schweres Dach und durch einen ungünstigen Untergrund“, meint Dirk Addicks. „Der Monumentendienst hat alles in einem Bericht festgehalten und eine Dringlichkeitsliste der Arbeiten erstellt. Wir haben das Haus erst einmal behelfsmäßig gesichert, die eigentliche Sanierung wäre nämlich sehr teuer.“

So marode die Scheune erscheint, so herausragend ist der Eindruck, den das Haupthaus des Mehrens-Hofes hinterlässt. „Man fühlt sich bisweilen wie im Museum“, lacht Eilika Addicks (26), die in dem Anwesen eine eigene Wohnung hat. „Zehn Zimmer Küche Bad und Diverses mehr“, so könnte eine Immobilienanzeige für das Gebäude beginnen – doch diese Anzeige wird wohl nie erscheinen. Bis ins Detail nämlich haben sich die Addicks auf den historischen Hof ihrer Familie eingelassen, mit Mobiliar, bei dem Ikea keine Chance hätte. Einen handgefertigten Schrank für Silbergeschirr, der stolz sein Herstellungsdatum 1842 trägt, ist ebenso Blickfang wie ein riesiger Kachelofen – der zu Dirk Addicks’ Kummer nur die direkte Umgebung erwärmt. Aber wer hat gesagt, dass das Leben im Denkmal ohne Probleme ist?

Was nicht bedeutet, dass auf dem Mehrens-Hof alles etwas schlichter ist. Ganz im Gegenteil: Jedes Zimmer ist ordentlich beheizt, und auch sonst sind die Segnungen modernen Wohnens überall zu finden. Edel Addicks ist zufrieden.


Ihr Mann zeigt derweil, welche Probleme auftauchen können, wenn man ein Monument möglichst im Original belassen will. Beim Ausbessern einer Außenwand suchte er vor kurzem vergeblich nach der passenden Klinkersorte – Fabrikation eingestellt. Man musste Mauerreste aus dem Inneren sauberklopfen und dann draußen einsetzen. Improvisation und Eigenleistung sind manchmal alles.

Dennoch: Die Familientradition auf dem Mehrens-Hof halten die Addicks’ hoch. Etwas anderes als ein Leben im Denkmal können sie sich nicht mehr vorstellen.