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Odyssee Eichelhäher „Kalle“ nach Unfall geheilt

OLDENBURG - Beim Wiedersehen kurz vor dem Osterfest mit „ihrem“ Eichelhäher „Kalle“ hat Angela Kurylas geweint, wie sie zugibt. „Vor Rührung, aber auch aus Mitleid“, berichtet die 34-Jährige. Erschöpft und körperlich lädiert saß „Kalle“ in der Wohnung von Kerstin Schmidtke an der Kranbergstraße. „Sein rechtes Auge war trüb und er hielt es die meiste Zeit geschlossen – und der rechte Fuß schien gebrochen zu sein“, erzählt sie weiter.

Aus dem Nest gefallen

Vor einem Jahr hatte die Biologin gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Nils-Lasse Schneider den kleinen Eichelhäher aufgezogen, der auf dem Gelände der Universität in Wechloy aus dem Nest gefallen war (die

NWZ

  berichtete). Im Sommer entließen die beiden Biologen den Vogel in die Freiheit. Seitdem ist er in Donnerschwee unterwegs, immer auf der Suche nach Futter, das ihm nette Anlieger aus der Kranberg- und Schwalbenstraße reichen.

Gedankt hat es ihnen der putzige Vogel mit kleineren Kunststückchen. „Kalle“ kann unter anderem pfeifen, miauen wie eine Katze, eine Autoalarmanlage imitieren, wie eine Möwe schreien oder wie eine Amsel trällern. „Und nicht nur das, er kann auch sprechen“, berichtet Angela Kurylas. Deutlich zu erkennen sind Worte wie „Komm mal her“ oder „Jaa“.

Trauriger Anlass

Der Anlass fürs Wiedersehen nach so langer Zeit war allerdings ein trauriger. Kalles zweite Zieheltern, bei denen er den Winter auf dem Balkon verbracht hatte, meldeten sich bei Angela Kurylas und Nils-Lasse Schneider. Bei Kerstin Schmidtke und Mario Matschei saß „Kalle“ kurz vor Ostern dann völlig entkräftet im Wohnzimmer. Kurylas und Schneider haben den kranken Kalle, der von seinen zweiten Zieheltern „Herr Schmidtke“ gerufen wurde, zum Tierarzt gefahren und untersuchen lassen. Vermutlich ist „Kalle“ wohl gegen ein Auto oder eine Scheibe geprallt, auf jeden Fall wiesen die Verletzungen der rechten Körperhälfte darauf hin, dass er ein Trauma durch einen heftigen Aufprall erlitten haben musste. Der Fuß war aber nicht gebrochen, sondern „nur“ leicht gelähmt. Der Greifreflex seiner rechten Kralle war sehr schwach ausgeprägt. Jedenfalls sagte die Tierärztin, dass der Eichelhäher ansonsten einen stabilen, gesunden Eindruck mache. Die Ärztin aus der Praxis von Dr. Vick riet dann zu einem Vitamin-Präparat und einer Augensalbe.

„Kalle“ verbrachte das Osterfest deshalb bei seinen ersten Zieheltern, bei denen er munter Schokoeier in den Blumentöpfen versteckte und sich schnell von seinen Verletzungen erholte. Den lädierten Fuß massierten die beiden, damit die Durchblutung angeregt wird. Zwischendrin lösten sie immer mal wieder durch die Massage den Greifreflex aus.

Voliere als Krankenstation

Die Zeit bis zu seiner vollständigen Genesung hat „Kalle“ alias „Herr Schmidtke“ in einer großen Voliere verbracht. Gefüttert wurde er mit Mehlwürmern. Wenn er sich nicht gerade ausruhte oder döste, plapperte der Eichelhäher vor sich hin oder hüpfte auf den Stangen herum.


Angela Kurylas und Nils-Lasse Schneider sind froh, dass es in Donnerschwee so viele liebe nette Menschen gibt, die sich um „Kalle“ kümmern und ihn durch den strengen Winter gebracht haben. Besonders froh sind sie, dass ihn niemand in eine Voliere eingesperrt hat. Denn so zahm „Kalle“ auch ist, er ist letztlich doch ein Wildvogel, der in die Freiheit gehört.

Dass er den Kontakt zu den Menschen weiterhin sucht, haben Angela Kurylas und Nils-Lasse Schneider bereits erfahren. Am Dienstag entließen sie „Kalle“ in die Freiheit. Am Mittwochmorgen stattete er ihnen schon wieder einen Besuch ab.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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