OLDENBURG - Wenn im Oldenburger Land das Wort „Informatik“ fällt, dann denken viele automatisch an Offis. Als An-Institut der Universität Oldenburg 1991 gegründet, setzt man bei Offis wissenschaftliches Know-how aus der Informatik in Prototypen um, die dann von Wirtschaftspartnern zu Produkten weiterentwickelt werden. Damit leistet Offis für Unternehmen und Institutionen Forschung und prototypische Entwicklungsarbeit – und das auf höchstem internationalem Niveau.
Das war nicht immer so. Denn die Anfänge sahen ganz anders aus. Vorausgegangen war 1987 die Gründung des Fachbereichs Informatik an der Uni. „Aber“, so Offis-Vorstands-Vorsitzender Prof. Wolfgang Nebel, „dieser Fachbereich war mit bescheidener Ausstattung und ohne einschlägiges Umfeld gestartet.“ Es gab also weder große Unternehmen in der Region, die in der Informationstechnik (IT) tätig waren, noch eine Infrastruktur. „Dabei lebt gerade die Informatik von der Anwendung“, so Nebel.
Es musste sich dringend etwas ändern. Nebels Vorgänger Prof. Volker Claus sowie Prof. Hans-Jürgen Appelrath stellten die Weichen neu: Der Durchbruch gelang dann mit der Gründung von Offis, dem Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik – einem eingetragenen Verein. Energie, Gesundheit und Verkehr – das sind heute die drei anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsbereiche.
Eines der ersten großen bei Offis entwickelten Projekte war das Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen, das seit 2001 in der Offis-Ausgründung Offis-Care GmbH betrieben wird und landesweit Meldungen zu neu aufgetretenen Krebserkrankungen erfasst und auswertet. Im medizinischen Bereich ist man längst weiter, hat den demografischen Wandel im Blick und entwickelt Assistenzsysteme, mit denen Menschen in die Lage versetzt werden sollen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Aber auch das aktuell viel diskutierte Thema der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ist seit Jahren ein Forschungsschwerpunkt.
So entwickelt Offis Lösungen für die notwendigen intelligenten Netze der künftigen Stromversorgung. Im Bereich Verkehr werden Sicherheits- und Assistenzsysteme entwickelt, die aktiv ins Fahrzeug oder Flugzeug eingreifen.
Diese Arbeit wirkt auf zwei Ebenen: Zum einen hat sich Offis national wie international als „Center of Excellence“ für ausgewählte Anwendungsgebiete der Informatik einen Namen gemacht. Zum anderen versteht man sich regionalpolitisch als Innovationsmotor. Und es ist eine Erfolgsgeschichte: 1991 startete man mit einem Etat von 760 000 Euro und 15 Mitarbeitern. 20 Jahre später sind es 290 Wissenschaftler und ein 13-Millionen-Etat. Die Zukunftsdenker, wie die Mitarbeiter mit Augenzwinkern genannt werden, feiern an diesem Dienstag das 20-jährige Offis-Bestehen. Zu den Gratulanten zählen auch Ministerpräsident David McAllister und Wissenschaftsministerin Prof. Johanna Wanka.
