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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wie geht es mit EWE in der Türkei weiter?

25.11.2017

Oldenburg Das Engagement in der Türkei wird in der EWE offenbar zunehmend zum Thema. Unbestätigt blieb ein Bericht über hohe Risikorückstellungen. Fragen und Antworten dazu:

Seit wann ist die EWE in der Türkei aktiv?

Die EWE ist seit 2007 in der Türkei aktiv, vor allem in der Versorgung und im Handel mit Erdgas und Strom. Der Konzern versorgt fast eine Million Gaskunden in der Türkei.

Wie ist die geschäftliche Struktur in der Türkei?

In den Gesellschaften Bursagaz, Kayserigaz, EWE Enerji, Enervis, Millenicom und BTC Turkey sind nach EWE-Angaben mittlerweile rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Dachgesellschaft heißt EWE Turkey Holding mit Sitz in Istanbul. EWE konzentriert sich bei ihrem Türkei-Engagement bislang auf zwei Regionen. Über die EWE Turkey Holding hält EWE 80 Prozent am regionalen Gasversorger Bursagaz in Bursa. Mit dem gleichen Anteil ist EWE auch am Versorger Kayserigaz in der Millionen-Stadt Kayseri rund 300 Kilometer südöstlich von Ankara beteiligt. Zudem ist EWE mit Projekten in Sachen Gashandel und Energieeffizienz in dem Land aktiv. 500 Millionen Euro war den Oldenburgern damals der Einstieg in die beiden Unternehmen als „strategischer Aufschlag“ wert.

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Mit welchen Erwartungen ist die EWE gestartet?

Man müsse nur schauen, wo die Türkei im Jahr 2007 gestanden habe. Damals habe dort ein starker Energiebedarf geherrscht, das Land habe gute Chancen gehabt, in die Europäische Union aufgenommen zu werden und das Wirtschaftswachstum sei immens gewesen. Daher sei ein Einstieg in den Markt durchaus sinnvoll und aussichtsreich gewesen, was sich auch in den Bilanzen der ersten Jahre widergespiegelt habe. „Der Umsatz wurde gesteigert und der Kundenstamm wuchs“, sagte ein Konzernsprecher auf Nachfrage dieser Zeitung. In Zahlen heißt das: 886 331 Erdgaskunden zählte EWE zum 30. Juni 2015 (30. Juni 2014: 832 551) in der Türkei. Damit hatte der Oldenburger Konzern in der Türkei zu diesem Zeitpunkt mehr Gaskunden als in Deutschland mit knapp unter 800 000. An diesen Zahlen habe sich auch aktuell nicht viel geändert.

Warum schwächelt das Geschäft gerade?

Die politische Lage in der Türkei hat sich stark verändert. „Es ist bekannt, dass der gesamte Gasgroßhandelsmarkt in der Türkei derzeit einem starken Margendruck unterliegt“, sagte der Sprecher. Der Preis für den Weiterverkauf von Gas ist dem Vernehmen nach sehr niedrig, was vor allem Privatanbietern zu schaffen mache, während staatliche Anbieter auf Förderung hoffen könnten. Eingekauft werde das Gas in US-Dollar, aber beim Weiterverkauf in Lira bezahlt. Daher spiele auch der Kursverfall der türkischen Lira mit ins Ergebnis, was in den vergangenen Geschäftsberichten auch erwähnt wurde. Die schwächere Lira mindert auch den Wert der Beteiligungen (in Euro).

Wie groß ist der Anteil am Gesamtumsatz?

Im Jahr 2015 hatte das Türkei-Geschäft mit mehr als 800 Millionen Euro jährlich mehr als zehn Prozent zum Konzernumsatz (2014: 8,1 Milliarden Euro) des fünftgrößten deutschen Energieversorgers beigesteuert – und warf auch Gewinne ab. „Seit drei Jahren schreiben wir schwarze Zahlen“, hieß es damals aus Unternehmenskreisen. Aus dem aktuellen Geschäftsbericht geht hervor, dass das Auslandsgeschäft (Polen und Türkei) im Geschäftsjahr 2016 5,2 Prozent Anteil am Gesamt-Betriebsgewinn (Ebit) hatte. Am Gesamtumsatz lag der Anteil in diesem Zeitraum bei 9,6 Prozent. Zu weiteren Entwicklungen wollte man sich auf Nachfrage nicht äußern.

Was hat es mit den Rückstellungen auf sich?

Laut einem Bericht des NDR vom Donnerstag soll es eine Vereinbarung geben, dass der Mutterkonzern dazu verpflichtet sei, im Ernstfall für die türkischen Tochterfirmen einzuspringen. Laut dem Bericht soll über Risikorückstellungen in Höhe von 150 Millionen Euro beraten werden. Dazu soll es am Freitag eine Krisensitzung gegeben haben. Auf Nachfrage dieser Zeitung wollte sich die EWE dazu nicht äußern. Allerdings sei es üblich, dass große Lieferverträge abgesichert werden. Dem Vernehmen nach gebe es aber keine Hinweise darauf, dass eine Schieflage drohe. Regelmäßige Management-Treffen zum Erfahrungsaustausch seien üblich. Von einer Krisensitzung könne keine Rede sein. Wichtig sei der regelmäßige Kontakt mit Verantwortlichen für die Geschäfte in der Türkei, um über Probleme und die aktuelle Lage zu sprechen. Über die Inhalte der Gespräche am Freitag machte die EWE keine Angaben.

Wie sieht es mit weiteren Investitionen aus?

Hier gelte nach wie vor die Devise, dass nur dann Geld in der Türkei in den Infrastrukturausbau investiert werde, wenn dieses auch von den Gesellschaften vor Ort erwirtschaftet wurde. Geldfluss aus Deutschland sei nicht vorgesehen.

Ist ein Rückzug aus dem Türkei-Geschäft denkbar?

Denkbar sei dem Vernehmen nach alles – bis zu einem Ausstieg aus dem Türkei-Engagement, wie es etwa die Gruppe Die Linke/Piratenpartei im Rat der Stadt Oldenburg fordert. Dazu wollte sich die EWE auf Nachfrage nicht äußern.

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