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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

1000 Euro für Anwerbung neuer Kollegen

20.06.2018

Oldenburg Weite Teile des regionalen Handwerks stehen extrem unter Dampf – und einige Betriebe greifen zu eher ungewöhnlichen Maßnahmen, um ihren Arbeitskräftebedarf zu decken. Zugleich mahnt die Handwerkskammer Oldenburg (HWK) immer unverblümter Maßnahmen bei der Politik an, um die Situation für den Fachkräfte-Nachwuchs zu verbessern. Das wurde bei der HWK- Vollversammlung am Dienstag in Oldenburg deutlich.

„Das Handwerk brummt“, konstatierte Kammerpräsident Manfred Kurmann vor den Delegierten. Die Werte bei der jüngsten Betriebsbefragung seien meist „herausragend“ und auf sehr hohem Niveau nochmals gestiegen.

Haupttreiber der Entwicklung sei die Baukonjunktur. Quasi alle Betriebe seien ausgelastet. Mancher wisse nicht, wie er die Auftragsflut bewältigen solle. Teils würden „Prämien von 1000 Euro oder mehr“ geboten, um Mitarbeiter anzuwerben. „Ich hoffe, dass das nicht einreißt“, mahnte der HWK-Präsident.

Er forderte bessere Bedingungen für die Ausbildung von Berufsnachwuchs. „Es fehlen 1000 Lehrer an den niedersächsischen Berufsschulen“, konstatierte Kurmann. Dies sei eine „unzumutbare Situation für uns“. Da müsse noch „viel passieren“. Vor allem in den Metall- und Elektroberufen seien „Unterrichtsausfälle deutlich spürbar“.

Wichtig sei ein Berufsschulangebot auch auf dem Land. Ohne passendes schulisches Angebot würden sich die jungen Menschen für andere Bereiche entscheiden – „mit der Folge, dass der Fachkräftemangel den Mittelstand existenziell bedroht“.

Kurmann sprach sich einmal mehr für bessere Berufsorientierung aus. „Uns fehlen die Azubis, weil viele junge Menschen statt einer Ausbildung ein Studium beginnen.“ Zu viele Ausbildungsplätze blieben unbesetzt. Dieser gesellschaftliche Trend sei „kein guter“. Die Karrierewege im Handwerk müssten weiter aufgezeigt werden, bis hin zu Meister und Betriebswirt.

Nun solle ab dem kommenden Schuljahr an Gymnasien ab Klasse 7 Berufsorientierung verpflichtend sein. „Dafür benötigen wir Lehrer, die schon im Studium auf diese Aufgabe vorbereitet werden“, mahnte Kurmann. Hier gebe es viel zu tun. Die Politik habe erst „spät reagiert“. Sehr gut sei die vom Land eingeführte neue Meisterprämie.

Weiterhin günstig entwickelt sich die Zahl der Betriebe bei der Handwerkskammer. Sie lag Mitte Mai bei 12 636, wie Hauptgeschäftsführer Heiko Henke berichtete. Dies bedeute ein Plus von 155 gegenüber dem Vorjahr.

Auf weiterhin niedrigem Niveau bewegten sich die Streitfälle, die an die Schlichtungsstellen bei der HWK (Bau, Kfz, Allgemeines) herangetragen wurden. „Insgesamt hatten wir in diesem Jahr 28 Streitfälle, im letzten Jahr waren es 31“, sagte Henke. Zu den zentralen weiteren Themen gehörten in den vergangenen Monaten die neue Datenschutzgrundverordnung sowie „Innenstadtverkehr in Oldenburg“.

Eine der neuen Aufgaben des Bereichs Berufliche Bildung sei es, mit den Betrieben Strategien und Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung zu entwickeln. Dazu gehöre das Projekt „Qualität in der Ausbildung“. Wie sehr sich die Lage verändert hat, unterstrich Henke mit einer Zahl: Ende 2017 habe es bei der HWK 7672 Lehrverträge gegeben, etwa wie zuvor. Doch 1980 seien es noch 12 600 gewesen! „Damals ging nach der Schule die überwiegende Zahl der jungen Menschen in eine duale Ausbildung und nur wenige an die Uni.“

Gastreferent war Dr. Christian Welzbacher, Leiter des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover. Er zeigte u.a. auf, wie neue technologische Entwicklungen Eingang in die Berufsausbildung finden.

Nächste große Veranstaltung der HWK Oldenburg: der „Tag des Handwerks am 15. September (famila/Wechloy).

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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