OLDENBURG - Großen Beifall spendeten die Schüler der Oldenburger Gymnasien am Montagabend für die starke Aufführung des „Jedermann“ im „theater hof/19“ in der Bahnhofstraße. Gesehen haben sie die ins Heute übertragene Geschichte eines moralisch überforderten Managers.

Passend mündete das Stück – als Sonderveranstaltung – in eine Podiumsdiskussion über „Wirtschaft und Moral“, moderiert von Michael Koch vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB). Eine der Fragen: „Haben wir ein unmoralisches Wirtschaftssystem, läuft was schief in der Marktwirtschaft?“

Für Benedikt Buhl, Vorstandssprecher der OLB, die die Veranstaltung unterstützte, liegt eins der Probleme darin, „dass die Regeln gelockert wurden“. Das habe zwar zu enormen Wohlstandsgewinnen, aber eben auch zu „ausufernden Gewinnen Einzelner“ geführt. Buhl: „Das ist nicht moralisch, und es ist zu verurteilen“. Bessere gesetzliche Rahmenbedingungen seien nötig und auch „eine Rückbesinnung derer, die Verantwortung tragen“. Buhl griff Praktiken bei Arcandor und auch in der Bezahlung bei Porsche an, ebenso die extremen Boni bei einigen Banken. Buhl: „Unter dem Aspekt von Ethik und Moral brauchen wir ein Umdenken, um solche Exzesse zu vermeiden.“ Die Eingriffe müssten aber maßvoll sein, um die Marktwirtschaft nicht ihrer positiven Kraft zu berauben.

Katrin Eggert, Geschäftsführerin des IÖB, erinnerte an die Zusammenhänge, in denen auch die Verbraucher eine Rolle spielten. Wer sein T-Shirt supergünstig kaufen wolle, müsse sich nicht wundern, wenn ein Textilunternehmen seine Fertigung ins Ausland verlagere. Bei der Geldanlage müssten die Verbraucher aber besser informiert werden. Außerdem müsse lauter als bisher die Frage nach der Haftung der Manager gestellt werden.

Jaqueline Heidbrink, Schülerin des elften Jahrgangs (Q12) am AGO, plädierte dafür, dass man sich im jeweiligen Unternehmen über moralische Fragen verständigt und dementsprechend dort auch etwaige Sonderzahlungen regelt. Ulrike Hollinderbäumer, Lehrerin für Politik und Wirtschaft am Herbartgymnasium, glaubt nicht an die Kraft von moralischen Appellen: „Wenn man etwas bewirken will, muss man an den entsprechenden Stellschrauben drehen.“ Ein Schüler plädierte für die klare gesetzliche Begrenzung von Managergehältern, „damit Manager nicht das Hundertfache von Erzieherinnen verdienen“.