OLDENBURG - Endlich wieder ein halbwegs normales Jahr – das scheinen sich die Kapitalmarkt-Experten im Nordwesten zu wünschen. Und entsprechend sind ihre Prognosen für 2010: leicht steigende Aktienkurse und ein Ende der historischen Niedrigzinsphase. Nur bei der Richtung des Euro-Kurses ist man sich nicht einig.
Aktien: Alle vier von dieser Zeitung befragten Experten erwarten, dass das deutsche Aktien-Börsenbarometer DAX Ende 2010 um einiges über 6000 Punkte liegen wird. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank (BLB), rechnet sogar damit, dass der DAX im ersten Quartal bis 6800 Punkte steigt. Carsten Brömstrup, Leiter der Anlagestrategie bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB), könnte sich hingegen vorstellen, dass es im Mai/Juni bis auf 5200 Punkte runter geht. Die Begründung für leichte Aktienkursgewinne im Gesamtjahr ist bei allen gleich: Die deutschen Konjunkturprogramme wirken, die Weltkonjunktur zieht an, die Unternehmensgewinne steigen. ,,Außerdem sucht eine immense Liquidität bei sehr niedrigen Zinsen eine profitablere Anlage", ergänzt Brömstrup und verweist auch noch auf den seiner Meinung nach schwächeren Euro, der dem deutschen Export helfen werde.
Euro: Hier gehen die Meinungen auseinander. Sven Litke, Leiter des Bereichs Vermögensmanagement der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), geht von einer Abwertung des Euro aus, ,,weil die US-Geldpolitik in eine Phase der Normalisierung übergeht", also die US-Leitzinsen steigen werden. Brömstrup verweist auf die Probleme der Euro-Länder Griechenland und Irland. Hellmeyer hingegen sieht eher den Dollar schwach, schätzt aber, dass die ,,Verbalakrobatik" der Notenbanker keine Euro-Kurse über 1,60 Dollar zulassen wird. Harald Lesch von der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems erwartet auch in Euroland höhere Leitzinsen. Für ihn wird der Euro im Jahresendvergleich eher stabil bleiben.
Zinsen: Alle sind sich einig: Die Zinsen werden steigen. Lesch geht mit seiner Prognose von um rund einen Prozentpunkt höheren Renditen (zehnjährige Bundesanleihe) am weitesten. Zinstreibend ist für ihn neben den steigenden Euro-Leitzinsen ,,vor allem die extrem steigende Staatsverschuldung". Litke von der LzO rechnet auch mit höheren Verbraucherpreisen. Die geringste Steigerung erwartet die OLB. Ihr Experte Brömstrup zur Begründung: ,,Allzu viel höhere Zinsen kann keiner bezahlen."
2009: Im abgelaufenen Jahr 2009 legten die BLB und die Genossenschaftsbanken mit ihren DAX-Prognosen nahezu eine Punktlandung hin. Das gleiche gilt für die LzO beim Euro-Kurs. Die Landessparkasse war auch das einzige Kreditinstitut, das die extreme Niedrigzinsphase richtig prognostizierte.
