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Prognosen Experten setzen 2011 weiter auf Aktien

Klaus-Peter Jordan

OLDENBURG - Weiter steigende Aktienkurse in Deutschland und das endgültige Ende der Niedrigzinsphase – das erwarten die Kapitalmarktexperten nordwestdeutscher Kreditinstitute für 2011. Uneinig hingegen sind sie sich über die Richtung des Euro-Kurses.

Aktien bleiben erste Wahl

AKTIEN: Aktien sind auch 2011 erste Wahl, meinen die Experten unisono. Beim deutschen Aktienbarometer DAX erwarten sie einen Anstieg zwischen sieben und gut 20 Prozent. Ganz „bullish“ ist Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank (BLB). Die Weltwirtschaft befinde sich in der besten Konjunkturlage seit dem Korea-Krieg, und die Liquidität sei weltweit hoch. „Eigentlich sind heute schon 9500 Punkte beim DAX gerechtfertigt“, behauptet Hellmeyer. Risiken sieht er vor allem in den USA lauern, wo Protektionismus und sogar eine Abkehr von der Marktwirtschaft drohten. Während Harald Lesch von der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Weser-Ems seine positive Aktien-Einschätzung mit dem sich fortsetzenden deutschen Exportboom begründet, sieht Sven Litke, Leiter des Bereichs Vermögensmanagement bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), eine „Verlagerung der Wachstumskräfte auf die Binnennachfrage“. Lehrbuchmäßig würden die Impulse vom Export auf Investitionen und den privaten Konsum übertragen. Carsten Brömstrup, Leiter der Anlagestrategie bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB), nennt die günstige Bewertung des deutschen Aktienmarktes und die attraktiven Renditen zahlreicher Dividendentitel als Begründung für weiter steigende Aktienkurse.

Euro entzweit Experten

EURO: Hier gehen – wie schon im Vorjahr – die Meinungen erheblich auseinander. Brömstrup verweist auf die Verschuldungsproblematik der Euro-Staaten und eine verbesserte US-Wirtschaft mit sinkenden Arbeitslosenzahlen, was den Euro gegenüber dem Dollar schwächen werde. Litke führt an, dass die US-Notenbank FED – wohl auch wegen eines robusten Wirtschaftswachstums in den USA – die Leitzinsen früher erhöhen werde als die Europäische Zentralbank (EZB). Sein Fazit zu den USA: „Totgesagte leben länger.“ Ganz anders Hellmeyer: Er sieht die Zinswende in Europa früher kommen als in den USA. Die würden das ganze Jahr 2011 noch bei ihrer Nullzins-Politik bleiben. Außerdem würden weltweit die Zentralbanken aus dem Dollar rausgehen – Konsequenz: der Euro steigt bei ihm bis auf fast 1,50 Dollar. Einen Anstieg erwartet auch Lesch, sieht diesen allerdings durch die europäische Schuldenkrise begrenzt.

ZINSEN: Inflationsdruck durch Rohstoffe, eine Lohn-Preisspirale am Arbeitsmarkt und ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB mit einer Verdoppelung des Leitzinses auf zwei Prozent – aus dieser Gemengelage prognostiziert Hellmeyer für Ende 2011 ein Renditeniveau von 4,10 Prozent (bei den zehnjährigen Bundesanleihen). Die drei anderen Experten sind zurückhaltender und sehen nur eine leichte Zinsentwicklung nach oben. Brömstrup begründet diese mit einem zunehmenden Inflationsdruck, weswegen der Kapitalmarkt höhere Nominalzinsen verlangen werde. Litke erwartet, dass die EZB erst 2012 die Leitzinsen erhöht. Lesch sieht dies zwar wohl noch 2011 kommen, sieht den Renditeanstieg allerdings durch den „Appetit der Anleger nach besonders sicheren Anleihepapieren“, zu denen sicher die deutschen gehören, begrenzt.

Bei Zinsen lagen alle falsch

BILANZ 2010: In diesem Jahr lagen alle Experten mit ihrer Erwartung einer deutlichen Zinswende nach oben falsch. Weiter sinkende Zinsen konnte sich vor einem Jahr keiner vorstellen. Die beste DAX-Prognose lieferten BLB und Genossenschaftsbanken – beide waren aber mit 6450 Punkten bzw. 6400 Punkten noch zu pessimistisch. Beim Euro schaffte die LzO mit prognostizierten 1,32 Dollar eine Punktlandung.

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