OLDENBURG - Kunst und Handwerk hinter alten Backsteinmauern: Die Alte Brennerei Hilbers in der Butjadinger Straße ragt hoch hinaus zwischen den übrigen Gebäuden des Hofes der Familie. Doch hinter den Fenstern sind die riesigen Kessel zum Gären längst verschwunden, wird schon seit fast drei Jahren kein Schnaps mehr gebrannt. Statt dessen haben hier Künstler und Kunsthandwerker eine Heimstatt gefunden. In 15 Ateliers wird gemalt, geschmiedet oder geschnitzt.

„Ich fühle mich sehr wohl hier“, schwärmt Ulrike Lübke. Im Februar vergangenen Jahres hat sie einen kleinen Raum im 1. Stock bezogen bezogen. Hier findet sie die Ruhe, ihre Kupferstücke zu fertigen. Schmuckstücke und Dekorationsartikel liegen für Besucher aus, die an diesem Sonntag zur offenen Tür gekommen sind. An jedem ersten Sonntag im Monat stehen nämlich Ateliers offen. Die Künstler präsentieren sich und ihre Arbeiten dem Publikum, verkaufen auch das ein oder andere Objekt.

Ulrike Lübke hat diesmal gar nicht so viel zum Zeigen. „Das Weihnachtsgeschäft lief sehr gut“, erzählt sie. Einen großen Teil ihrer Kollektion hat sie verkauft. Doch bei den Künstlern aus den Nachbarateliers gibt es ja auch noch genug zusehen. So wie bei Heinz-Bernd Piotrasch, der seine Modelleisenbahnsammlung der letzten 30 Jahre schon seit einem Jahr aufbaut. „Im Mai wird sie fertig“, verspricht er. In die Welt der Farben taucht man dagegen beim „QuARTett“. In diesem Atelier haben sich die Künstler Eva Boenigk, Jantje Meiners, Susanne Homberg und Erwin Böning zusammengeschlossen. Sie zeigen ihre eigenen Werke und bieten auch Malkurse an.

Das Projekt Ateliergemeinschaft ist erfolgreich. „Ich habe schon eine Warteliste“, sagt Hans-Gerd Hilbers, Besitzer des familiären Hofes in der 17. Generation. Somit traf er, nachdem er die mehr als 150 Jahre alte Brennerei hatte schließen müssen, die richtigen Entscheidungen. Statt Abriss kam die Renovierung. Alte Elemente wie die große Schalttafel gleich am Eingang oder der Destillationsbrenner blieben erhalten und geben dem Ort damit einen unverwechselbaren Charme, der Besucher anzieht. Und auch die Künstler profitieren von der Gemeinschaft vor Ort. „Man hilft sich gegenseitig, es ist sehr familiär“, bestätigt Ulrike Lübke.

Den Besuchern gefällt's „Die Idee ist doch einfach klasse“, sagt ein Ehepaar. Auch sei es nicht zu groß, so dass man es sich auch mit den Kindern mal anschauen könne. Die Kleinen wollen auch auf jeden Fall wiederkommen – wenn die Modelleisenbahn in Betrieb ist.