OLDENBURG - Sie wollten auf sich aufmerksam machen, und sie taten es lautstark: Rund 1200 Mitarbeiter der diakonischen Einrichtung der Region Nordwest demonstrierten am Sonnabend, begleitet von Trommlern der Sambaschule Eversten, in der Oldenburger Innenstadt für Lohnsteigerungen. Die Beschäftigten fordern acht Prozent mehr Gehalt, die Tarifverhandlungen sind seit fünf Runden ohne Ergebnis.
Die Tonart auf der Demo war scharf. Schon in der Einladung der Arbeitsgemeinschaft der MitarbeiterInnenvertretungen in den Diakonischen Werken in Niedersachsen (Agmav) und der Gewerkschaft Verdi hieß es, man sei „stinksauer“ über das bisherige Angebot der Arbeitgeber. Dieses beinhaltet einen Sockelbetrag von 65 Euro sowie eine Gehaltserhöhung von 3,4 Prozent in 2009 sowie weiteren 2,8 Prozent 2010.
„Das Angebot der Arbeitgeber bedeutet einen Einkommensverlust“, kritisierte der Agmav-Vorsitzende und Verhandlungsführer Manfred Freyermuth bei der Kundgebung auf dem Schlossplatz. Er verwies auf die Bestrebung der Gegenseite, die Arbeitszeiten zu verlängern. Besonders war dem Verhandlungsführer und seinen Kollegen aufgestoßen, dass die Arbeitgebervertreter die Annahme von 10 000 Mitarbeiter-Unterschriften für eine Tariferhöhung bei einem offiziellen Termin verweigert hatten.
Auch Annette Klausing, beim Verdi-Landesverband für Kirchen, Diakonie und Caritas zuständig, übte harsche Kritik an den Arbeitgebern. So würden diese öffentlich zugeben, dass gute Pflege, zum Beispiel in den Altenheimen der Diakonie, gute Bezahlung brauche. Die Realität in den Verhandlungen sehe dagegen anders aus. „Was sie machen ist sonntags Wein predigen und in der Woche Wasser verteilen“, so Klausing. Dieses Verhalten sei „scheinheilig“.
Auch die aktuelle Wirtschaftskrise ließen die Gewerkschaftsfunktionäre nicht als Argument gegen Lohnsteigerungen gelten. So seien gerade zusätzliche Milliarden in den Gesundheitssektor geflossen, erinnerte Freyermuth. Zudem seien auch in schlechten Zeiten die Leute nicht weniger krank oder alterten langsamer. Dem stimmte auch Manfred Klöpper, Vorsitzender der DGB-Region Oldenburg Wilhelmshaven, zu: „Eure Branche ist systemrelevant, nicht die der Banken“.
