OLDENBURG - Zum Protestieren nach Berlin: Mit 13 Bussen fahren an diesem Donnerstag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vier Oldenburger Kliniken zur Großdemonstration in die Hauptstadt. Auch die Geschäftsführungen gehen auf die Straße. Sie alle wollen damit gegen die Krankenhausfinanzierung der Bundesregierung protestieren. Die Finanzspritze von drei Milliarden Euro und 21 000 Pflegestellen, die das Kabinett am Mittwoch bewilligte, betrachtet Pius-Geschäftsführerin Elisabeth Sandbrink als Tropfen auf dem heißen Stein. Für sie und Dr. Gyde Jungjohann, Medizinischer Vorstand des Evangelischen Krankenhauses, geht es um die Existenz der Kliniken.

In den Kliniken könne man nicht weiter rationalisieren, meinte Klinikum-Geschäftsführer Rudolf Mintrop. Nach fünf Nullrunden für die Krankenhäuser, gestiegenen Personal- und Sachkosten sagte er angesichts des Beschlusses: „Der Diebstahl von gestern ist das Geschenk von morgen.“ Sollte es bei den drei Milliarden bleiben, müsse er 70 Pflegestellen streichen.

Für Peter Oehne, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Evangelischen Krankenhauses, und seinen Kollegen Heinrich Schrand aus dem Pius sind die Zahlen das eine, aber ist die Pflege vor Ort das andere. „Wir müssen immer mehr Patienten mit immer weniger Personal in immer kürzerer Zeit versorgen.“ Nie habe man in der Pflege eine solche Stimmung gehabt.

Dieser Meinung war auch Sigrun Spaeth, Betriebsratsvorsitzende des Klinikums. Ihr macht auch die Altersstruktur der Pflegenden Sorgen. Der Nachwuchs fehle.

Und so ziehen Mitarbeiter und Geschäftsführungen, die bei Tarifauseinandersetzungen vor weniger als einem Jahr noch gegeneinander antraten, an einem Strang. „Es hat sich eines der breitesten Bündnisse im Gesundheitswesen organisiert“, meinte Mintrop. Aus Oldenburg fahren 270 Mitarbeiter des Klinikums, 100 aus dem Pius, 170 aus der Karl-Jaspers-Klinik und 100 aus dem Evangelischen. Die Versorgung der Patienten solle nicht darunter leiden, sagte man.


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