OLDENBURG - Ramadan. Das bedeutet für Muslime: einen Monat lang bewusster leben. Tagsüber – zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang – weder essen noch trinken. Keine verbalen Entgleisungen. Und auf Zigaretten verzichten. Tuna Altiparmak macht dies nichts aus: Er sagt: „Fasten aus reinem Glauben ist nicht schwierig. Es ist kein Zwang, sondern eine Sache zwischen ihm, dem Muslim, und Gott.“

Tuna Altiparmak, 29, ist Dialogbeauftragter der DITIB in Oldenburg (DITIB steht für „Diyanet Isleri Türk Islam Birligi“ – auf Deutsch „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion“). Er ist auch Geschäftsführer einer IT-Firma, sitzt von 9 bis 18 Uhr im Büro. Wie schafft er es, konzentriert zu bleiben? „Die ersten Tage denkt man oft an Essen und Trinken. Man greift aus Gewohnheit zur Wasserflasche, ehe sich das Unterbewusstsein meldet. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem du dich daran gewöhnst“, sagt der gläubige Muslim.

Abends, zu Hause, braucht er erstmal seine Ruhe. Zum Sonnenuntergang kommt schließlich Freude auf. Essen und Trinken sind wieder erlaubt, das üppige Mahl wird meist mit Freunden eingenommen. „Da lernt man zu schätzen, was man hat. Leider gibt es viele Menschen, die täglich mit leerem Magen ins Bett gehen müssen“, sagt Altiparmak.

Mitgefühl für Bedürftige wecken – nur eines der Ziele des Ramadans. „Dieser Monat stärkt die Verbundenheit zu unserem Gott und ist eine seelische Bereinigung. Für jeden Tag des Fastens werden uns Sünden vergeben“, erklärt er. Des Weiteren durchlaufe der Körper in diesen Wochen einen Prozess der Entgiftung.

Und was kommt auf den Tisch? „Vorweg Suppen. Danach normale Speisen. Die Portionen sind aber kleiner, da sich das Völlegefühl schnell einstellt. Zuletzt Nachtisch, zum Beispiel Süßes“, zählt der 29-Jährige ein Drei-Gänge-Menü auf und räumt einen Irrglauben aus der Welt: „Das Ramadan-Fest wird auch Zucker-Fest genannt. Das ist falsch. Wir feiern, dass wir von unseren Sünden bereinigt werden“, sagt der Dialogbeauftragte.


Besonders für Jugendliche am Anfang der Pubertät ist es in der Tat kein Zuckerschlecken. Sie halten selten den ganzen Tag durch. „Gott ist barmherzig. Er vergibt kleine Sünden“, sagt Tuna Altiparmak. Auch Leistungssportler haben es nicht leicht. „Wer verzichten muss, kann dies zum Beispiel mit Spenden kompensieren. Der Islam ist voller Alternativen, es gibt immer einen Ausweg“, erklärt Tuna Altiparmak.