OLDENBURG/SANDKRUG - Ein Fehlgriff mit Folgen: Weil der 14-jährige Schüler Matthias L. am 27. Oktober vorigen Jahres in der Hektik der Fahrkartenkontrolle der Nordwestbahn nicht in die Innentasche seiner Jacke griff, konnte er dem Kontrolleur seine dort befindliche Schülerkarte nicht zeigen.

Die aber hätte er gebraucht, um von der Schule in Oldenburg ermäßigt nach Hause (Sandkrug) befördert zu werden. Kein Beinbruch, möchte man meinen: Matthias wurde aufgefordert, die Schülerkarte im Büro am Lappan vorzulegen, seine Eltern bekamen eine Zahlungsaufforderung über 7 Euro. Die sind zu zahlen, wenn man seine Schülerkarte nicht dabei hat (Schwarzfahren kostet 40 Euro).

Matthias legte seine Karte gleich am nächsten Tag am Lappan vor, wo die VWG als Partner der Nordwestbahn derlei Ermittlungen erledigt. Die Eltern bezahlten die 7 Euro – doch die Erwartung, dass damit alles aus der Welt sei, wurde nicht erfüllt.

Im Gegenteil.

Denn die Eltern bekamen weitere unerfreuliche Post: Am 18. Dezember erhielten sie eine Mahnung. Im guten Glauben, die Angelegenheit ließe sich mit einem Anruf aus der Welt schaffen, informierte der Vater die Inkasso-Abteilung des Unternehmens. Man bestätigte den fristgerechten Eingang der 7 Euro und versprach dem Mann, man werde sich um die Angelegenheit kümmern. Er solle das nächste Schreiben der Bahn abwarten.


Das war die nächste Mahnung. Am 23. Januar erhielt die Familie ein Schreiben der Prodefakto Inkasso GmbH Osnabrück, die im Auftrag der Nordwestbahn tätig geworden war. Weitere Anrufe verliefen fruchtlos, während Matthias L. nach Angaben seiner Eltern in seinem Gerechtigkeitssinn tief erschüttert wurde, weil ihm postalisch mitgeteilt wurde, er habe eine strafbare Handlung begangen, seine personenbezogenen Daten würden nun gespeichert.

Katrin Hoffmann, Pressesprecherin der Nordwestbahn, hatte den Fall auf dem Tisch liegen, als die NWZ nachhakte, wie es zu dieser Entwicklung gekommen sei. Ihre Erklärung: Eine Kommunikationspanne zwischen VWG und Nordwestbahn. Die Kopie der Schülerkarte sei nicht auf den Weg gebracht worden, das Verfahren für Schwarzfahrer automatisch angelaufen. Hofmann: „Sonst klappt das mit der Weiterleitung immer – seit Jahren“. Das Inkassoverfahren bei der beauftragten Firma habe sich nicht einfach stoppen lassen – das sei aber nun erfolgt: „Wir geben uns mit den 7 Euro zufrieden.“ .