OLDENBURG - Da, wo Catja Hilge und Christian Nocke im Esszimmer sitzen und je nach Sitzplatz in die Küche oder das Wohnzimmer schauen, waren einst sechs Räume – und die Decke drohte einzustürzen. Genauso wie der Giebel zum Garten. Nein, ein Schmuckstück war die „Hundehütte“ nicht, als das Ehepaar 2005 den Kaufvertrag für das Haus an der Katharinenstraße 10 unterschrieb. „Eher eine Ruine“, erinnert sich Nocke. Er sagt das ganz entspannt. Denn nun hat der selbstständige Akustiker ein schönes Schild an die nüchterne, aber stuckverzierte Fassade geschraubt: Die Familie hat für ihr Haus – genutzt für Wohnen und Arbeiten – den Preis für „Energieeffizienz und gute Architektur“ der Deutschen Energie-Agentur (DENA) erhalten.

350 000 Euro investiert

Das ist kein Wunder. Mit einer Investitionssumme von 350 000 Euro haben Hilge und Nocke den Energieverbrauch des Hauses von 1869 um 95 Prozent gesenkt. Pro Jahr geben sie für 280 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche nur noch 500 bis 600 Euro für die Heizung aus. Damit liegen sie nur knapp über dem Passivhausstandard und schlagen den KfW-40-Standard für Neubauten um Längen. Der bedeutet, dass man 40 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr einsetzen muss – Hilges und Nockes Haus liegt bei 21.5, ein Passivhaus bei 15.

Modellprojekt genutzt

Die Sanierung ohne Kompromisse wurde befeuert durch das Modellprojekt „Niedrigenergiehaus im Bestand“ der DENA. Dadurch konnten die Besitzer doppelt so hohe zinsgünstige Kredite von der KfW nutzen – allerdings war auch da der Rahmen bei 100 000 Euro erschöpft. „Wir haben erst an kleinere Maßnahmen gedacht“, sagt Nocke. Dann aber wurde es doch der große Rundumschlag.


Das Dach wurde aufgedoppelt, der entstandene Zwischenraum mit Zelluloseflocken ausgeblasen. Die Außenwände wurden mit 16 Zentimeter starken Mineralfaserplatten, das ganze Haus wurde mit Dreifach-Isolierverglasung im historischen Design versehen. Statt der Gasheizung von 1987 kommt ein Holzpellet-Kessel zum Einsatz, unterstützt von einer 9,8 Quadratmeter großen Solaranlage, die von April bis Oktober für warmes Wasser sorgt.

Damit der nur 2,20 Meter hohe Keller auch nach der Dämmung der Bodenplatte nutzbar blieb, kamen dort aus Edelstahlprofilen und -blechen geschweißte Vakuumdämmelemente zum Einsatz, die nur wenige Zentimeter dick sind.

Lautlose Lüftung

Eine der zentralen Punkte ist die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die auch ohne offene Fenster für frische Luft im Haus sorgt. Weil die durch eine Schlange unter dem Garten geführt wird, kommt sie im Sommer sogar gekühlt ins Haus – im übrigen ohne Störgeräusche. Die Anlage wurde mit Schalldämpfern versehen.

Die Familie mit fünf Kindern fühlt sich total wohl im Altbau mit Neubau-Energiewerten: „Das Wohnklima ist wunderbar“, sagt Catja Hilge. „Und so nah an der Stadt hätten wir niemals neu bauen können“.