OLDENBURG - Das Schicksal von Maryam Noor, die seit fünf Jahren um ihre in Kenia lebenden Kinder kämpft, bewegt die NWZ -Leser. Viele Oldenburger meldeten sich bei der NWZ , um der Familie mit Geldspenden unter die Arme zu greifen. „Jede Mutter kann nachfühlen, wie es ihr geht“, sagte beispielsweise Lucia Krümpelmann, die gleich bei ihrer Kaffeetafel eine Sammlung starten wolle. Die Übersetzerin Barbara Arndt (Übersetzungen Fietz) bot spontan an, nötige Übersetzungen und Beglaubigungen gratis zu erledigen. Die NWZ -Redaktion hat alle Hilfswilligen direkt an die Familie verwiesen und wird weiter so verfahren.
Maryam Noor hatte, wie berichtet, ihre Kinder 2004 unfreiwillig in Kenia zurückgelassen, als sie mit ihrem damaligen Mann nach Oldenburg kam. Der holte die Kinder nicht nach Oldenburg, wie er versprochen hatte, und starb ein Jahr nach der Eheschließung. Inzwischen hat Maryam Noor mit ihrem Lebensgefährten Thomas Massanetz einen Sohn und möchte ihre Kinder Aisha (11) und Yassin (10, die zurzeit bei ihrer Großmutter in Malindi/Kenia leben, nachholen – aber die Behörden setzen hohe Hürden.
„Das sind aber nicht wir“, sagte Ralph Wilken vom Bürger- und Ordnungsamt als Reaktion auf die Berichterstattung der NWZ . Federführend in der Frage, ob die Kinder einreisen dürfen, sei die deutsche Botschaft in Nairobi. Die habe das Ausländeramt in Oldenburg erst im Juni dieses Jahres eingeschaltet, um die Frage zu klären, ob die Familie wirtschaftlich in der Lage ist, zwei weitere Kinder zu unterhalten. Zuvor habe die Botschaft aus ihm unbekannten Gründen die Anträge Noors nicht angenommen.
Nun fordere das auswärtige Amt DNA-Tests als Nachweis, dass Aisha und Yassin Maryam Noors leibliche Kinder sind. Wilken hat recherchiert, dass dieser Test für unter 500 Euro, statt – wie zunächst angenommen – für bis zu 1000 Euro erledigt werden kann. Aisha und Yassin müssten aber für den Speicheltest 800 Kilometer von Malindi zur Botschaft nach Nairobi reisen: „Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagt Maryam Noor. Ob die Speichelprobe auch in Malindi erledigt werden kann, war am Freitag nicht zu erfahren. Die Botschaft in Nairobi war geschlossen und nimmt erst am Montag die Arbeit wieder auf.
Oldenburgs Integrationsbeauftragte Ayca Polat sieht die Handlungsmöglichkeiten der Stadt wegen der Federführung der Botschaft begrenzt. „Ich halte das Verfahren allerdings für zutiefst inhuman“, sagte sie der NWZ . Maryam Noors Anstrengungen für die Integration in Deutschland seien mehr als vorbildlich: „Vor ihr ziehe ich wirklich den Hut“.
Maryam Noor selbst freut sich über die Hilfsbereitschaft der Oldenburger, wirkt aber sehr zerknirscht. Als sie das letzte Mal mit den Kindern gesprochen habe, hätten die ihr gesagt, sie solle sich beeilen, „bevor du im Sarg wiederkommst“. Ein paar Tage zuvor war eine andere Frau aus Malindi im Ausland gestorben und von dort in die Heimat überführt worden. „Die Kinder“, sagt sie, „haben große Angst“.
