OLDENBURG - „Im Leben wird einem nichts geschenkt“, sagt Bassam Faour. Als er zwei Jahre alt war, ist seine Familie vor dem Krieg geflüchtet, aus dem Libanon nach Deutschland. Heute ist er ein guter Koch, vor kurzem hat er den Wettbewerb „Oldenburg kocht“ gewonnen. Bassam Faour, 34, und seine 31-jährige Schwester Lina haben das erreicht, wovon manch Urgestein der Stadt vielleicht noch träumt: Sie sind dabei, ihr eigenes Restaurant einzurichten.

Als sie in Deutschland ankamen, in Leer (Ostfriesland), war dieses Ziel aber noch in weiter Ferne. Bassam war noch ein Kleinkind, Lina wurde wenig später erst geboren. „Wir waren die ersten Ausländer in Leer“, sagt Lina – als Kind habe sie es so empfunden. Trotzdem fühlten sie sich absolut willkommen. „Wir wurden richtig integriert“, sagt Bassam. Der Kinderschutzbund habe ihnen geholfen, Fuß zu fassen, Freunde zu finden und die Sprache zu lernen. Beide sprechen einwandfrei Deutsch, seien aber zweisprachig aufgewachsen: Zuhause wurde Arabisch gesprochen.

Während ihre Geschwister – insgesamt sind die Faour-Kinder zu sechst – alle in Deutschland leben, ist der Rest der Familie im Libanon. Regelmäßig fahren Lina und Bassam Faour dorthin, besuchen die Familie.

Hier in Deutschland, vor allem in Oldenburg, fühlen sich die beiden aber Zuhause, es gebe so viel, das ihnen hier gefalle. „Es ist eine Studentenstadt, die Leute sind sehr offen und gehen außerdem gerne essen“, sagt Bassam Faour.

Er und seine Schwester kennen die Gastronomie-Szene in der Stadt. Lina Faour hat ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau in der Klinkerburg gemacht, Bassam Faour hat das Restaurant Bestial als Küchenchef mit aufgebaut. Später arbeiteten beide dort zusammen – sie im Service, er in der Küche.


Die Arbeit in der Gastronomie zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Geschwisterpaars. Dabei sind sie nicht in die Branche hineingeboren. „Die Eltern meiner Mama hatten eine Tabakplantage im Libanon“, sagt die 31-Jährige. Sie macht vor, wie die großen Tabakblätter zum Trocknen auf eine Leine aufgezogen werden. „Meine Tanten machen das heute noch. Wenn ich da bin, helfe ich dabei.“

Mit 16 Jahren hat Lina angefangen, neben der Schule im Service in einem Restaurant zu arbeiten – und zwar in demselben, in dem ihr Bruder Bassam schon arbeitete, seit er 15 Jahre alt war. Lina hat später unter anderem im Bremer Parkhotel und in den Hamburger Restaurants Tafelhaus und Sloman von Fernsehkoch Christian Rach gearbeitet, auch als stellvertretende Restaurantleiterin.

Es war ein Freund der Familie, Maik Böse, der das Geschwisterpaar nach Oldenburg geholt hat. Er hatte die beiden weiterempfohlen und so arbeiteten beide schließlich am Theaterwall.

Die Arbeit prägte ihr Leben so sehr, dass sie heute von sich sagen, eigentlich keine Hobbys zu haben. „Zwölf bis vierzehn Stunden Arbeit am Tag ist keine Seltenheit“, sagt Bassam Faour. Nach Feierabend fährt er zu seiner Familie, er hat ein Haus an der Stadtgrenze gekauft, hat einen kleinen Sohn und einen Jack Russell Terrier.

Bald wollen sie ihr eigenes Restaurant eröffnen, die kleine Burg in der Burgstraße. „Das ist unser Lebenstraum“, sagt Lina Faour.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales