OLDENBURG - Sie hatte als Auszubildende bei der Kammer angefangen. Ihren Chef lobt sie in den höchsten Tönen.

Von Klaus-Peter Jordan

OLDENBURG - Wenn ihr Chef so gegen 9 Uhr kommt, ist sie schon da. Dann ist die Post sortiert, die E-Mails sind durchgesehen. Meike Drees sitzt in einem gern als „Vorzimmer der Macht“ titulierten Büro. Die hoch aufgewachsene Blondine ist Chefsekretärin des Hauptgeschäftsführers (Hgf) der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Dr. Christian-A. Fricke. Wer die Telefonnummer von Fricke wählt, landet bei ihr. Wer zum „Hgf“ will, muss an ihr vorbei. „Manchmal frage ich mich, wer hier eigentlich der Chef ist“, scherzt Fricke.

Als die heute 45-jährige Varelerin ihre Schulausbildung beendet hatte, lernte sie Bürokauffrau. „Das Kaufmännische hat mich interessiert.“ Ihre erste Stelle findet sie im Bereich Weiterbildung bei der Oldenburgischen IHK. Und dies ist bis heute auch ihr einziger Arbeitgeber geblieben. Am 1. Juli dieses Jahres feierte Meike Drees ihre 25-jährige Betriebszugehörigkeit.

Ihr erster Chef liebte es zu diktieren. Unzählige Stenoblöcke hat sie gefüllt. Die Schreibmaschine war zwar schon elektrisch. Elektronische Korrekturhilfe gab es aber nicht. Es war das Zeitalter von Tippex.

In den 25 Jahren bei der Kammer haben sich Meike Drees’ Tätigkeiten vollkommen verändert. Sie wurde von der Büro-Schreibkraft zur Büro-Organisatorin. Termine legen, Reisen organisieren, Konferenzvorlagen vorbereiten, Abstimmung mit den Dachverbänden der Kammern. Sie organisiert den Neujahrsempfang der IHK und betreut den Schülerwettbewerb der Wirtschaftsjunioren. „Man muss heute an viel mehr denken als früher. Und man arbeitet heute viel eigenverantwortlicher“, erklärt Meike Drees. Sie findet es daher auch durchaus angebracht, dass der Begriff Sekretärin zunehmend durch die Bezeichnung Assistentin ersetzt wird. „Ich muss wissen und damit auch entscheiden, was für meinen Chef wichtig ist.“ Aber „Kaffee kochen und Blumen gießen mache ich trotzdem gern“, gibt sie dem Sekretärinnen-Klischee ein wenig Nahrung.


Apropos Chef: Zum ersten Mal hat sie für Fricke 1982 gearbeitet. Er war stellvertretender Hauptgeschäftsführer, und sie übernahm eine Vertretung in seinem Sekretariat. Die Stelle bekam sie anschließend nicht; das hat sie damals schon enttäuscht, aber auch angespornt, sich weiterzubilden. Vier Jahre später kam Fricke dann nicht mehr an ihr vorbei. Zwei weiteren stellvertretenden „Hgfs“ hat sie in den nächsten Jahren noch das Büro geführt. Fricke war inzwischen Hauptgeschäftsführer der Kammer, und als seine damalige Chefsekretärin 2003 in die Altersteilzeit ging, war klar, wen er sich holte: Meike Drees.

„Einen besseren Chef kann man sich nicht vorstellen“, sagt die 45-Jährige. Er habe immer einen lustigen Spruch parat, und geschäftliche Abstimmungen erfolgen oft durch Zuruf durch die offene Tür. Die Arbeitsatmosphäre sei sehr locker.

Privat bezeichnet sich Meike Drees als „sehr häuslichen Menschen“. Die allein erziehende Mutter einer 18-jährigen Tochter lebt mit Mutter und Tochter in Varel im Elternhaus und kümmert sich gern um den Garten. Ihr größtes Hobby ist eine Jazz-Tanzgruppe, in der auch ihre Tochter mitmacht.

Zum Jahreswechsel steht für Meike Drees eine Veränderung an: Sie bekommt einen neuen Chef. Fricke geht in den Ruhestand, und sein jetziger Stellvertreter Dr. Joachim Peters wird sein Nachfolger. Für die Chefsekretärin wird das zum Heimspiel – sie saß von 1999 bis 2003 bereits in seinem Vorzimmer. „Wir kennen uns gut. Das ist für mich optimal“, freut sie sich.