OLDENBURG - Oldenburgs Naturschutzbeauftragter Heiko Vollquardsen sieht noch längst nicht alle naturschutzfachlichen Zweifel an dem Bau eines Windparks nördlich des Kleinen Bornhorster Sees ausgeräumt. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Gerd Schwandner und die Mitglieder des Bauausschusses, der sich an diesem Donnerstag mit dem Vorhaben befasst (17 Uhr, Technisches Rathaus), meldet Vollquardsen Zweifel an den Schlussfolgerungen des zu verhandelnden Gutachtens an. Wie mehrfach berichtet, hatte das Planungsbüro NWP die drei in Frage kommenden Flächen im Stadtosten untersucht und war zu dem Schluss gekommen, dass das Gebiet am Bornhorster See als einziges für einen Windpark geeignet wäre.

Vollquardsen bemängelt beispielsweise, dass NWP für den Flugkorridor der Blässgänse nur eine Breite von 50 Metern annimmt. Der Korridor sei aber breiter. Zusammen mit der Tatsache, dass diese Gänse im letzten Dämmerlicht und in geringer Höhe fliegen, werde das „zu erheblichen Schlagopferzahlen führen“.

Zudem rege zwar selbst NWP an, die Anlagen in den Nächten der Monate April/Mai und August/September wegen der hohen Aktivität der Fledermäuse stillzulegen. Aber, so Vollquardsen: „Offenbar ist das Vorkommen der Breitflügelfledermäuse übersehen worden, die ihren Durchzugshöhepunkt im Juni/Juli hat“. Entsprechende Diagramme fänden sich zwar im Gutachten, seien aber nicht berücksichtigt worden. Berücksichtige man sie, müssten die Anlagen von April bis September nachts fast durchgehend abgeschaltet werden.

Zusätzlich argwöhnt Vollquardsen, dass die verdichtet aufgestellten Anlagen dem Landschaftsschutzgebiet den Charakter einer Industrielandschaft verleihe. Der Erholungswert schwinde. Auch die Entwidmung eines Teils des Landschaftsschutzgebiets widerspreche der Landschaftsrahmenplanung.

Vollquardsen: „Es bleibt abzuwägen, ob ein Prestigeprojekt der Stadt, das insbesondere von der Verwaltungsspitze favorisiert wurde und dessen wirtschaftlicher Nutzen bei den örtlichen Gegebenheiten in Frage gestellt werden muss, von der Politik Unterstützung finden soll.“