OLDENBURG - Das Haus an der Rosenstraße 48 liegt mitten im kreativen Bahnhofsviertel. Seit 140 Jahren ist es eines jener Gebäude, die dieses Viertel geprägt haben. Und es erzählt ein Stück Oldenburger Unternehmensgeschichte: Damals hatte es die 22-jährige Witwe Anna Wollering bauen lassen und dort das Speditionsgeschäft A.Wollering Ww. gegründet. Das wird inzwischen in fünfter Generation von Klaas Kornemann geführt und ist 2007 an den Stubbenweg umgezogen.
Das markante Haus hatte die geschäftstüchtige Witwe seinerzeit gleich mit umfangreichen Lagern planen lassen: Unten standen die 44 Pferde, darüber auf den Böden lagerten Heu und Häcksel für die Tiere. Gleich nebenan waren Schmiede und Stellmacherei sowie Räume für Kutscher und andere Beschäftigte, die mit der Familie Wollering zusammenlebten. 1911 war das Unternehmen vom Großherzog zum Hofspediteur ernannt worden, und Witwe Wollering nahm Schwiegersohn Willi Kornemann mit in das Geschäft auf.
Generationswechsel hat dieses Unternehmen immer weitblickend geregelt: 2007 etwa wurde der damals 62-jährige Bernd Kornemann vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft dafür ausgezeichnet, wie er den Stabwechsel an seinen Sohn Klaas Kornemann gedeichselt hat.
Bernd Kornemann, Urenkel der Witwe Anna, nimmt sich jetzt noch einmal des Hauses Rosenstraße an. Er will es für etwa eine Dreiviertelmillion Euro sanieren, so dass es gut für die Zukunft des kreativen Viertels zwischen Hafen und Bahnhof gerüstet ist und gleichzeitig die Geschichte dieses früher schon umtriebigen Quartiers erzählt. „Der Entwurf des Oldenburger Architekturbüros Ickert bewahrt den Charakter und die Ausstrahlung des Wollering-Hofes“, sagen Bernd und Hille Kornemann.
Unter den hohen Dächern des ehemaligen Heubodens sollen fünf moderne Stadtwohnungen entstehen mit einer Größe zwischen 68 und 120 Quadratmetern, teilweise über zwei Ebenen. Zu erreichen sein werden sie über einen Laubengang im Hof.
Wie zu Anna Wollerings Zeiten sollen Geschäft und Wohnen unter ein Dach ziehen: Nachdem die Firma 2007 nach Etzhorn umgesiedelt war, hatte schon im Lager der Friseursalon „Headcrash“ eröffnet, der jetzt erweitert wird. Außerdem werden im Untergeschoss auf 300 Quadratmetern Büros für einen Versicherungsmakler entstehen.
Doch zunächst wird eine Abbruchparty gefeiert, und zwar am 15. Juli ab 18 Uhr. „Wir wollen das alte Firmengebäude noch einmal würdigen und hochleben lassen“, sagen Kornemanns. Und Witwe Anna hätte das bestimmt gefallen.
