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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Ministerium zeigt Schlachthof an – Betreiber äußert sich

07.11.2018

Oldenburg Die sofortige Schließung des Rinderschlachthofes Standard-Fleisch GmbH & Co in Tweelbäke – das fordert das Deutsche Tierschutzbüro. Sowohl die Tierschützer als auch das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hatten am Montag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg gestellt. Die Stadt prüfe derzeit, ob auch sie Anzeige erstatten werde, sagte Stadtsprecher Reinhard Schenke auf Anfrage der NWZ.

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Die Vorwürfe wiegen schwer. „Die Tiere werden getreten, unnötig oft mit Elektroschockern malträtiert und, das ist unser Hauptvorwurf, nicht fachgerecht betäubt“, sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros mit Sitz in Sankt Augustin. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Oldenburg wurden am Dienstag die Recherche-Ergebnisse vorgestellt. Mit dabei waren die Veterinärmedizinerin Dr. Claudia Preuß-Ueberschär und Juristin Dr. Davina Bruhn. Im Anschluss fand eine Protestaktion vor dem Betriebsgelände von Standard-Fleisch statt.

NWZ-Kommentar zum Schlachthof-Skandal: Gefährliche Gier

Rund 600 Stunden Videomaterial, das von Aktivisten im September und Oktober mit versteckten Kameras aufgenommen wurde, liegt den Tierschützern vor. „Man erkennt, dass die Tiere Panik haben“, erklärt Preuß-Ueberschär. Nach der Betäubung sollten die Rinder im Idealfall schlaff sein. Das Videomaterial zeige aber in vielen Fällen, dass sie teilweise noch bei Bewusstsein sind oder, dass sie sich noch stark rudernd bewegen. „Das ist Tierquälerei“, so die Veterinärmedizinerin.

Das Deutsche Tierschutzbüro geht davon aus, dass rund 20 Prozent der von Standard-Fleisch geschlachteten Rinder nicht ordnungsgemäß betäubt werden, bevor sie gestochen werden und ausbluten. „Wird den Tieren vorsätzlich Leid zugefügt, handelt es sich um einen Straftatbestand und der ist aus meiner Sicht erfüllt“, sagt Dr. Davina Bruhn.

Lesen Sie auch über die Arbeiter bei Standard-Fleisch:„Wir wurden behandelt wie Sklaven“

In einem Statement bestätigte das Schlacht-Unternehmen die Vorwürfe. „Wir zweifeln weder die Authentizität der Bilder an, noch möchten wir die Vorfälle kleinreden. Im Gegenteil: Wir können nachvollziehen, dass das Deutsche Tierschutzbüro, aber auch die Öffentlichkeit empört über die Vorfälle sind“, teilte der Schlachtbetrieb weiter mit. Das gesamte Kontrollsystem werde kritisch hinterfragt.

Auch gegen Tierärzte und Amtstierärzte erhebt das Tierschutzbüro Vorwürfe. So würden die Aufnahmen zeigen, dass anwesende Veterinäre nicht einschreiten, wenn Tiere misshandelt werden. Bisher habe das Veterinäramt den Schlachthof stichprobenartig kontrolliert. „Ab Mittwoch wird der Hof während der gesamten Schlachtzeit beobachtet, um zu kontrollieren, ob das Tierschutzrecht eingehalten wird“, sagte Stadtsprecher Schenke auf Anfrage. Auch wolle man sich das Videomaterial genau anschauen.

Erst vor wenigen Wochen wurde ein Schlachtbetrieb in Bad Iburg vom Landkreis Osnabrück wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stillgelegt.

Eine „Videoüberwachung vom Anhänger bis zum Haken“ fordert Dirk Toepffer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) lässt in ihrem Haus derzeit juristisch prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, verbindlich ein Kamerasystem in Schlachthöfen anzuordnen.

Die Grünen im Landtag setzen auf mehr Personal in den Veterinärämtern und „schärfere Sanktionen bei nachgewiesenem, vorsätzlichem Wegschauen von Kontrolleuren“. Das System der staatlichen Kontrollen funktioniere nicht.Lesen Sie auch: Nach Tierquälerei in Bad Iburg – Land will Überwachung von Schlachthöfen verschärfen

Standard-Fleisch schlachtet nach eigenen Angaben mehr als 90 000 Rinder im Jahr und ist zudem Bio-zertifiziert. „Bei der Schlachtung hört die Bio-Idylle auf. Da wird kein Unterschied gemacht“, so Peifer weiter. Das Unternehmen gehört zu den größten Rinderschlachtbetrieben Deutschlands. In einer Rangliste der „Allgemeinen Fleischer Zeitung” von 2016 lag der Betrieb auf dem achten Platz deutschlandweit. Standard-Fleisch arbeitet mit der Böseler Goldschmaus GmbH zusammen, die unter anderem die Bünting-Gruppe beliefert.

Chelsy Haß
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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