• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wachstum braucht Zeit –und Geld

12.03.2019

Oldenburg Es kann auch Vorteile haben, wenn sich die Dinge ungeplant in die Länge ziehen. Denn wenn immer neue Fragen und Hindernisse auftauchen, tun sich manchmal andere Optionen auf. So wie in der Praxis von Daniela Gröger und Angela Wilde in Oldenburg-Eversten, wo kurz vor Weihnachten das Telefon klingelt und ihnen ein Unbekannter unverhofft ein Angebot macht.

Die beiden Ergotherapeutinnen befinden sich zu dieser Zeit in einer heiklen Phase. Gut zwei Jahre liegt die Gründung ihres Start-ups Wilgro zurück. Sie haben einen Tisch entworfen, der die Motorik von Kleinkindern fördern soll. Er ist das Resultat einer wiederkehrenden Erkenntnis ihrer therapeutischen Arbeit: Viele Eltern vernachlässigen bei ihren Kindern die Bauchlage. Aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod lassen sie die Kleinen lieber in Rückenlage spielen. Nach Überzeugung von Wilde und Gröger ist das die Ursache für motorische Störungen, die viele Kinder später aufweisen. An dieser Stelle setzt ihr Tisch an: Er ist so konstruiert, dass die Kleinen die richtige Haltung annehmen, wenn sie in Bauchlage darauf spielen.

Was heißt es, Unternehmer zu werden? Wie kommen Gründer zu ihrer Geschäftsidee? Wo finden sie Investoren? Wie verarbeiten sie Rückschläge? Solchen Fragen gehen wir in unserem Start-up-Check auf den Grund. Ein ganzes Jahr begleiten wir dazu die Gründerinnen Angela Wilde und Daniela Gröger. Alle zwei Monate werden wir über ihre Firma Wilgro berichten – über Fortschritte genauso wie über Misserfolge.

200.000 Euro aus Rücklagen und einem Kredit der LzO haben sie in den Tisch investiert. Eine Menge Geld, aber Wilde (49) und Gröger (28) war es wichtig, nur Materialien zu verwenden, die exakt nach ihren Vorstellungen konstruiert sind. Entsprechend viel Zeit und Nerven verschlang die Entwicklung – bei den Gründerinnen, aber auch bei ihren Zulieferern.

Im vergangenen Mai nehmen sie schließlich die ersten 200 Exemplare ihres „Wilgro-Entwicklungskoffers“ in Empfang. Neben dem Tisch und Spielgeräten enthält er ein Buch, in dem Wilde und Gröger ihre Erkenntnisse über die Bauchlage schildern und Eltern durch die ersten Entwicklungsphasen ihrer Kinder führen. Zur selben Zeit geht der Shop von Wilgro online. Kurz danach nehmen die beiden an einem viermonatigen Coaching im Technologie- und Gründerzentrum (TGO) teil. Der erweist sich als enorm hilfreich: „Wir haben zwar jahrelange Erfahrung mit der Selbstständigkeit, aber eben als Therapeutinnen, nicht als Gründer“, sagt Wilde.

Manche Themen begegnen ihnen im Coaching zum ersten Mal, Vertriebs- und Marketingfragen etwa. In einer Disziplin tut sich Wilde besonders hervor: im Pitchen – der Präsentation ihrer Geschäftsidee vor potenziellen Investoren. „Auf der Bühne hat sie eine unglaublich authentische und sympathische Art“, sagt Alexandra Wurm, die während des Coachings die Rolle der Mentorin von Wilde und Gröger übernimmt und noch immer im engen Austausch mit ihnen steht.

Auf drei Pitches hat Wilde den Spieltisch bislang vorgestellt – und jedesmal Beifall geerntet. Zuletzt hat sie Mitte Januar die Companisto Pitch Night in Hannover gewonnen, zu der Start-ups aus mehreren Gründerzen­tren in ganz Niedersachsen eingeladen waren. Solche Treffen sind für Start-ups wichtig. Zum einen helfen ihnen die Fragen der Jury, ihre Geschäftsideen abzuklopfen und ihr Profil zu schärfen. Zum anderen bekommen die oft klammen Gründerteams Kontakt zu möglichen Geldgebern.

Wie im Fall von Wilde und Gröger. Schon nach dem ersten Pitch im TGO treffen die ersten Anfragen aus der Investorenszene im Nordwesten ein. Daraus ergeben sich später konkrete Gespräche mit dem Oldenburger Unternehmer und Seriengründer Matthias Hunecke. Er engagiert sich im Vorstand der Business Angels Weser-Ems-Bremen und verfügt über viel Erfahrung mit Start-ups. Spricht man Hunecke auf Wilgro an, gerät er geradezu ins Schwärmen. „Ich prophezeie der Idee eine große Zukunft“, sagt er. Auch das Gründerteam hat es im angetan: „Die beiden bringen definitiv das nötige Herzblut mit.“

Gröger und Wilde erkennen sofort die Chance, die Huneckes Interesse für sie bedeutet. Er könnte die liquiden Mittel für eine dringend nötige Marketingkampagne beisteuern. Denn es gehen zwar immer wieder Bestellungen in ihrem Onlineshop ein, für den 679 Euro teuren Tisch oder auch für das Buch „Die Bauchlage macht’s“ zum Preis von 20 Euro. Von einem Durchbruch sind die beiden aber noch weit entfernt. Auch Huneckes Netzwerk könnte Gold wert sein. Ein so erfahrener Unternehmer wäre für jedes Start-up ein Türöffner.

Im Herbst werden die Gespräche konkreter. Doch bald tauchen Hindernisse auf. Da ist etwa die vor einem Einstieg nötige Umfirmierung. Wilgro müsste von einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) zur GmbH werden. Allein die Anwalts- und Notarkosten dafür schätzt Gröger auf gut 10.000 Euro, hinzu kommt die Mindesteinlage bei einer GmbH von 25.000 Euro.

Aber solche Überlegungen sind nicht das einzige, was die Gespräche verzögert. Hunecke steckt zu dieser Zeit noch in einem anderen Deal: Er bereitet den Verkauf des Onlineoptikers Brille24 vor – des Unternehmens, mit dessen Gründung 2006 ihm selbst de Durchbruch gelungen war. Die Verhandlungen sind intensiv und vor allem zeitraubend. So verstreichen Wochen, ohne dass es zu einem Abschluss mit Wigro kommt.

Das ist die Lage, in der in ihrer Praxis kurz vor Weihnachten das Telefon klingelt. Am Apparat, so erzählen es die Therapeutinnen, ist ein vermögender Unternehmer. Er hat über die Zeitung von ihrer Geschäftsidee erfahren und ist davon begeistert. Aber mehr noch: Er bietet ihnen ein zinsgünstiges Darlehen an – ohne dafür Anteile an der Firma zu verlangen. Er habe darum gebeten, seinen Namen nicht zu verraten, weil er andere Start-ups nicht unnötig ermutigen wolle, ebenfalls um ein Darlehen bei ihm anzuklopfen. Schon nach zwei Wochen sind sich die Gründerinnen mit ihm einig. Hunecke sagen sie ab.

Der nimmt es sportlich. „Ich kann den Schritt gut nachvollziehen“, sagt er. „Für Gründerteams ist es gut, möglichst lang mit der Abgabe von Firmenanteilen zu warten. Sonst sind sie nach der dritten Finanzierungsrunde oft nur noch Minderheitseigner.“ Die Zwischenfinanzierung gebe Wilgro die Luft, die nächsten Schritte anzugehen. Zudem bleibe man ja freundschaftlich verbunden – Hunecke wird die beiden als Business Angel weiter beraten.

Für Wilgro steht nun der nächste Schritt an. Sie suchen eine Agentur, die ein schlüssiges, finanzierbares Marketingkonzept für sie entwirft. Damit endlich Schwung in den Verkauf der Spieltische kommt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.