OLDENBURG - OLDENBURG - Gebäude bleiben stehen, Maschinen trotz heftiger Vibrationen stabil am Ort und schwebend anmutende Dachkonstruktionen ragen unbeeindruckt von der Schwerkraft in den Himmel. Was dahinter steckt? „Statik“, sagt Jürgen Hellmann und lehnt sich bei der Erwähnung dieses Wortes kurz zurück. Das tut der Chef der Jürgen Hellmann Tragwerksplanung selten: Er birst nahezu vor Energie. Obwohl er Statiker ist, strahlt er Dynamik aus – und diese Liaison entgegengesetzter Kräfte sorgt für die Spannung, die sein Geschäft oben hält. Bundesweit.

Hellmann ist gut im Geschäft. „Uns hat die Baukrise kaum getroffen“, sagt er. Seine 15 Leute – elf Ingenieure, der Rest Bauzeichner – haben mächtig zu tun. 500 000 Kubikmeter umbauten Raum umfassen allein die Projekte, die er und seine Leute gegenwärtig auf dem Schreibtisch haben (siehe Infokasten). Hellmann führt das auf Grundsätze zurück: Hohe Kompetenz, kurzfristige Problemlösung, die Wirtschaftlichkeit des Konzepts hochhalten. Dann hält er kurz inne: „Das können viele“, sagt er dann: „Das Wichtigste ist das Team.“ Und sein Vize Jürgen Bertke nickt: „Das passt bei uns bestens zusammen.“

Für Hellmann ist das Team das tragende Fundament, ohne das Erfolg nicht möglich wäre: „Hier fühlt sich jeder mit dem Büro verbunden, wenn die Arbeit überhand nimmt, merkt das jeder – und dann organisieren meine Leute selbst den Wochenenddienst. Auf der anderen Seite haben sie alle Freiheiten, sich selbst und ihre Ideen einzubringen.“ Weil ihm seine Mitarbeiter den Rücken freihielten, könne er sich völlig auf die Akquise konzentrieren: „Das ist unser Erfolgsmodell.“

Der Statiker, da sind sich Hellmann und Bertke einig, „steht an zweiter Stelle hinter dem Architekten.“ Sie seien dafür verantwortlich, die architektonischen Ideen zu erden, ihnen das Rückgrat zu geben, das die Form letztlich hält – völlig unabhängig davon, ob es sich um ein Umspannwerk oder eine hoch ästhetisierte Fassade handelt. „Machbar ist alles“, sagt Hellmann, „aber natürlich sind die Kostenrahmen meistens so festgenagelt, dass sich das Machbare daran bemisst.“

Und dann spielt natürlich der Bauherr eine Hauptrolle. Nicht selten wird noch auf der Baustelle klar, dass der Investor sich dies oder das anders vorstellt – was Folgen für die Statik hat. Neuberechnungen sind erforderlich. „Wir sind für alle unsere Baustellen ständig auf Stand-By“, sagt Hellmann. Feuerwehr der Gebäudeplanung, sozusagen. „Auch da sind meine Mitarbeiter voll motiviert.“


Größter Beweis für sein Vertrauen in die Statik: Er verlässt sich auf die rechnerisch nachgewiesene Tragfähigkeit der – Luft. Er ist Pilot. Und traut sich auf den unsichtbaren Balken des Luftraums an die Königsdisziplin: den Hubschrauber. Zur Beruhigung: Seine Bauten ruhen auf stabileren Lagern. Luftschlösser sind seine Sache nicht.