OLDENBURG - OLDENBURG - 250 000 Fahrräder gibt es in Oldenburg. Statistisch hat jeder Einwohner vom Säugling bis zum Greis eineinhalb Räder. Doch die meisten Radler sind auch Fußgänger und Autofahrer. Und zwischen diesen drei Parteien wird es in Oldenburg immer wieder eng. Grund für die Stadt, eine große Kampagne zu starten. Unter dem Titel „Verkehr geht nur miteinander“ will Stadtbaurat Dr. Frank-Egon Pantel für mehr Gelassenheit und Rücksichtnahme auf den Straßen werben. Gestern gab es hierfür den Startschuss.

Vor dem PFL fuhr ein VWG-Bus vor, bunt beklebt mit den Motiven der Aktion. Und drei Radler verteilten in der Stadt Prospekte, Broschüren und Info-Material. In den kommenden drei Monaten wird es zudem verschiedene Rücksicht-Postkarten in vielen Gaststätten geben.

Werbung ist eine Sache. Doch wie sieht es wirklich auf Oldenburgs Straßen aus? Dazu veranstaltete die Stadt gestern eine große Podiumsdiskussion im PFL.

Nicht überraschend, aber doch beeindruckend die Zahl, die die Stadt bei einer Umfrage im Februar 2004 ermittelt hat. Trotz klirrend kalter Temperaturen waren 45 Prozent der Innenstadtbesucher aus Oldenburg mit dem Rad gekommen. Nur 27 Prozent nahmen das Auto, 20 Prozent den Bus.

„Viele Fahrradfahrer erfordern auch eine erhöhte Verkehrssicherheit“, erklärte Dankmar Alrutz von der „Planungsgemeinschaft Verkehr Hannover“. Unabhängig von der Stadt-Umfrage macht der Fahrradanteil in Oldenburg nämlich 25 Prozent am Verkehr aus. Nur in Münster und Freiburg liegt diese Quote höher.


Trotzdem gilt Oldenburg als gefährliches Pflaster für Radler mit eine bundesweit sehr hohen Unfallquote. „Fahrradfahren ist zwar sehr gesund und mindert das Krankheitsrisiko. Das ganze hat aber auch Nachteile: Mit steigendem Radverkehranteil nimmt auch die Zahl der Unfälle zu“, sagte Alrutz. Nach Angaben von Siegfried Eilers registriert die Polizei seit 1995 etwa 4000 Unfälle jährlich und der Anteil der Fahrradunfälle liegt bei etwa zehn Prozent. „Tendenz abnehmend“, betonte Eilers.

Eine zunehmende Konkurrenz und Sportlichkeit beobachtet Professor Dr. Heiner Monheim von der Universität Trier im Straßenverkehr. „Das hat hier aber nichts zu suchen und mit Rücksichtnahme nichts zu tun.“ Einem sechsjährigen Kind auf dem Weg zum Kindergarten müsse das Überleben genauso zugesichert werden wie einer 85-Jährigen, die ihre Einkäufe auf dem Fahrrad nach Hause schiebt. „Mit 140 Stundenkilometern kann man dann schlecht Rücksicht nehmen. Bei Tempo 30 geht das schon besser“, erklärte Monheim.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit forderte Detlev Gündel vom niedersächsischen Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs: „Den Leuten muss viel mehr mitgeteilt werden, wie sie sich richtig verhalten sollen.“