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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Das geht doch mit links – oder etwa nicht?

12.08.2017

Oldenburg Mit wenigen Handgriffen bereitet Sylvia Bertram die Siebträgermaschine vor. Nach nicht mal einer Minute steht der fertige Kaffee auf dem Tisch. Dabei bedient die 48-jährige Barista im „Coffeeshop“ in Oldenburg die Maschine mit der linken Hand. Als Linkshänderin befindet sie sich in durchaus prominenter Gesellschaft: zu nennen wären etwa die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, Bill Clinton und George Bush senior oder die Filmschauspieler Bruce Willis und Angelina Jolie.

Auf die richtige Schreibhaltung achten

Um auf Missstände hinzuweisen, wird der Internationale Tag der Linkshänder jedes Jahr am 13. August begangen.

Eltern sollten laut Barbara Sattler von der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder frühzeitig darauf achten, welche Hand ihre Kinder nutzen und nicht versuchen, umzuschulen. Kinder sollten die richtigen Utensilien für die Schule erhalten – etwa einen Linkshänderfüller. Schon im Kindergarten sollte auf die richtige Blattlage und Stifthaltung – etwa beim Malen – geachtet werden.

Lehrer sollten auch auf die richtige Schreibhaltung achten. Ein verbreitetes Problem bei Linkshändern sei etwa die Hakenhaltung.

Wie viele Menschen tatsächlich bevorzugt die linke Hand benutzen, ist statistisch nicht eindeutig belegt, Schätzungen gehen von etwa 20 Prozent weltweit aus. Experten sprechen aber von einer hohen Dunkelziffer. An die 40 Prozent seien nicht unrealistisch, da sich kaum noch nachweisen lasse, wie viele Linkshänder umgeschult wurden. Die Tendenz, Linkshänder umzuschulen, sei laut Experten aber inzwischen rückläufig. Dennoch hätten sie sowohl in der Schule als auch im Berufsleben häufiger mit Problemen zu kämpfen.

„Gerade in handwerklichen Berufen, bei denen es auf das passende Werkzeug ankommt, können Linkshänder Schwierigkeiten haben“, erklärt Barbara Sattler von der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder in München. Einige Maschinen dürften aus Sicherheitsgründen gar nicht mit der linken Hand bedient werden. Bei einer Kettensäge müsse man etwa umgreifen, sagt Sattler. Soßenkellen mit Ausguss auf der rechten Seite oder Kartoffelschäler für Linkshänder seien in Küchen auch eher selten zu finden, erklärt sie.

Beispiele aus dem Büroalltag sind die fehlende Linkshänderschere, Schreibblöcke mit Spirale auf der linken Seite oder die Maus mit ergonomischer Form für Rechtshänder. Da seien Geldautomaten mit dem Kartenschlitz auf der rechten Seite eher die kleineren Ärgernisse.

Maulende Linkshänder begegnen einem dennoch kaum. Können sie sich besser anpassen als Rechtshänder, weil sie es oft einfach müssen? „Man beo­bachtet leider öfter, dass Kinder versuchen, sich selbst auf die rechte Hand umzuschulen oder Linkshändigkeit als einen Mangel ansehen“, sagt Sattler. Dauerhaft die „falsche Hand“ zu benutzen, kann allerdings nicht nur zu Konzentrationsschwächen führen, erklärt Sattler.

Linkshänder, die dauerhaft die rechte Hand für feinmotorisch anspruchsvolle Aufgaben benutzen, müssen viel mehr leisten, um die gleiche Leistung zu erbringen, wie Rechtshänder. Das könne sogar zu Minderwertigkeitskomplexen führen, wenn sich Linkshänder etwa einreden, im Vergleich zu ihren Mitschülern oder Arbeitskollegen nichts oder weniger zu können, erklärt Cerstin Bayer, Inhaberin des Onlineshops und Fachhandels für Links- und Rechtshänder, Lafüliki. Dabei wären sie mit der linken Hand mindestens ebenbürtig. Als Rechtshänder müsse man sich die Situation einfach mal umgekehrt vorstellen: Wie wäre es, dauerhaft alles mit der linken Hand zu machen? Sicherlich anstrengend, erklärt Sattler.

Sylvia Bertram zählt dagegen zu den Linkshändern „die zum Glück nie Probleme in der Schule oder im Berufsleben hatten“. Eine Umschulung wäre auch schwierig gewesen, denn „ich bin gefühlt zu 99 Prozent eine Linkshänderin, mit der rechten Hand kann ich eigentlich gar nichts“, sagt sie.

Bei der Arbeit sieht sie sich sogar im Vorteil gegenüber Rechtshändern. „Ich muss nicht so häufig umgreifen, etwa wenn ich den Siebträger befülle“, sagt sie.

Um Linkshändern den Alltag zu erleichtern, gibt es inzwischen viele nützliche Produkte – von der Tastatur mit dem Nummernblock auf der linken Seite bis zu Gartenscheren. Für Kinder wichtig seien etwa Stifte, Lineale und Anspitzer, sagt Cerstin Bayer. Die Nachfrage nach speziellen Produkten hänge von der Jahreszeit ab, erklärt sie.

Zu Weihnachten etwa verkauften sich Geldbörsen mit Kleingeldfach auf der anderen Seite gut, zur Einschulung Schreibunterlagen. Bemerkenswert sei, dass immer mehr Großeltern für ihre Enkel einkauften. Schließlich stammten sie noch aus einer Zeit, in der man junge Linkshänder überredete, doch das „schöne Händchen“ zu nehmen.

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