Oldenburg - Auf den deutschen Mittelstand rollt eine „Nachfolgewelle“ zu. Allein 2018 und 2019 planen 236 000 kleine und mittlere Unternehmen die Betriebsübergabe, sagte Steuerberater Carsten Steenken am Donnerstag beim 5. Tag der Unternehmensnachfolge im Oldenburger TGO mit Verweis auf Zahlen des KfW-Mittelstandspanels. Bis 2022 seien es gar 511 000 – 13,7 Prozent aller mittelständischen Betriebe.

Gleichzeitig haben viele dieser Betriebe – auch bedingt durch den demografischen Wandel – Probleme einen Nachfolger zu finden. „Die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft sind enorm“, sagte Steenken. Mehr als zwei Millionen Beschäftigte seien davon betroffen. Letztlich gehe es darum, „zusammenzubringen, wer zusammenpasst“, sagte er. Einen Beitrag dazu wolle auch der Tag der Unternehmensnachfolge leisten, der federführend von der Mittelstandsberatung Meiners-Hagen organisiert wird.

Gertrud Meiners-Hagen, Fachberaterin Unternehmensnachfolge, zeigte auf, dass ein Nachfolgeprozess ganzheitlich und strukturiert vonstatten gehen müsse. Im Kern bestehe solch ein Prozess aus einem Kreislauf aus Recherche, Qualifizierung, Ist-Aufnahme, Konzept, Vertragsentwurf, Risikoübergang und Umsetzung. Die Reihenfolge sei dabei nicht entscheidend und könne etwa auch mit der Ist-Aufnahme beginnen, durchlaufe letztlich aber alle Elemente des Kreises.

Rechtsanwalt Helmut Müller betonte, dass sich Betriebe auch für den Notfall, etwa wenn der Unternehmenschef durch einen schweren Unfall oder einen Schlaganfall handlungsunfähig sei, wappnen müssten. Der Gesetzgeber sehe für diesen Fall vor, dass vom Amtsgericht ein externer Betreuer eingesetzt wird. Dieser Prozess sei nicht nur langwierig. „In der Regel kommen dann Entscheider rein, die sie nie und nimmer als Entscheider haben wollen“, sagte er. Um solch eine fremdbestimmte Lösung zu vermeiden, sei deshalb eine Vorsorgevollmacht unerlässlich.

Dass Gefühle beim Thema Unternehmensnachfolge eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, zeigte Organisationsberaterin Christine Warnke auf. „Gefühle weisen den Weg zu Motiven, Bedürfnissen und Werten des Einzelnen“, sagte sie. Deshalb sei es auch wichtig, dass darüber gesprochen werde. Wenn man Probleme habe, über Gefühle zu sprechen, könne auch ein neutraler Sparringspartner hilfreich sein: „Ein moderiertes Gespräch hilft.“

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft