OLDENBURG - Das Ergebnis der Stichprobe ist ordentlich. Doch in manchen Fällen lohnt schon ein genauerer Blick.

Von Karsten Röhr

OLDENBURG - Ist wirklich soviel drin, wie drauf steht? Die NWZ machte in Supermärkten und bei einer Bäckereifiliale mit dem Eichamt Oldenburg die Stichprobe. Das Ergebnis ist nicht schlecht: In sechs von acht Fällen bekamen wir die korrekte Menge – oder mehr.

Wer eine Dose Ravioli oder eine Tüte Chips kauft, kann ziemlich sicher sein, dass er die angegebene Füllmenge auch erhält. Der Grund: Die Eichämter prüfen die Einwaage solcher Produkte schon bei der Produktion.

Alles richtig gemacht haben auch die Mitarbeiter an der Fleischtheke von Real, die bei unserer anonymen Bitte um eine Schale Fleischsalat nur das tatsächliche Nettogewicht berechneten. Das ist nach Angaben des Eichamtes nicht in jedem Geschäft garantiert – aber nicht unbedingt vorsätzlich.

Wo sich Nachwiegen lohnt, ist beim Obst und Gemüse. Zwar ist ein gewisser Schwund durch Austrocknung erlaubt – etwa bei Weintrauben bis zu 3,3 Prozent nach einer Woche –, doch selbst diese Grenzwerte wurden bei unserer Stichprobe deutlich überschritten. Da es in der Regel immer auch Packungen mit korrekter Füllmenge gibt, sollten Kunden in der Obst- und Gemüseabteilung immer nachwiegen, rät das Eichamt.


Und der Mitarbeiter im Famila-Markt versicherte, dass bei einer Reklamation die fehlende Menge sofort ersetzt werde. Es sei aber nicht möglich, den ganzen Tag sämtliche Waren nachzukontrollieren. Gerade wo die Packungen offen oder zu öffnen sind, legen manche Kunden schon mal selbst Hand an – auch über die Grenze des guten Tons hinaus, weiß Eichamts-Chef Hans-Ulrich Bresch.

In der Regel gibt es dort eher Abweichungen, wo viel Wasser verdunsten kann und bei größeren Produkten, etwa bei großen Champignons oder großen Möhren in der Schale. Hier ist es schwieriger, auf dem begrenzten Verpackungsraum das genaue Gewicht zu treffen – aber gleichwohl Pflicht. Dass es geht, zeigt etwa bei Äpfeln der getestete Zwei-Kilo-Braeburn-Beutel. Dort wurde bei mehreren Stichproben nur im einstelligen Grammbereich abgewichen – und zwar immer nach oben.

Erfreulich verlief der unangekündigte Test auch in der Filiale der Bäckerei Janssen im Famila-Markt in Wechloy. Von den zehn gewogenen Schwarze-Ferkel-Broten lag keines unter den angegeben 500 Gramm, sondern alle leicht bis deutlich darüber. Seitdem es vor einigen Jahren einige Beanstandungen des Eichamts bei den Bäckern gab, „gibt es dort so gut wie keine Probleme mehr“, sagt Eich-Obersekretär Berthold Eilers. Doch der genaue Blick begleitet die Eichamts-Mitarbeiter immer – und auch deren Frauen. Eilers: „Daran erkennen Sie die Frau eines Eichbeamten: Selbst wenn jemand zu ihr sagt, das brauchen Sie nicht mehr zu wiegen, macht sie’s trotzdem.“ Und damit habe sie Recht, sagt der Eichbeamte, der eine gesunde Skepsis empfiehlt.

Anmerkung: Die angegebenen Preise galten am Testtag. Gerade bei Obst und Gemüse kann es bisweilen täglich Schwankungen geben.