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Umfrage Im Oldenburger Land Bauboom treibt regionales Handwerk an

Oldenburg - Ingo Hermes ist zufrieden. „Das aktuelle Jahr sieht gut aus“, sagt der Geschäftsführer der Hermes Systeme GmbH aus Wildeshausen. Das Unternehmen, das sich auf Automatisierungstechnik und Gebäudeautomation spezialisiert hat, beschäftigt an mehreren Standorten 250 Mitarbeiter – und kann sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen.

Die gute Stimmung von Ingo Hermes überrascht nicht. In keinem anderem Bereich im Oldenburger Land wird die geschäftliche Entwicklung derzeit so positiv eingeschätzt wie im Ausbauhandwerk. Der Geschäftsklimaindex, den die Oldenburger Handwerkskammer (HWK) jetzt in ihrer am Montag vorgestellten aktuellen Konjunkturumfrage für das Frühjahr für das Ausbauhandwerk ermittelte, lag bei 144 Punkten. Im Handwerk für den gewerblichen Bedarf lag der Index bei ebenfalls noch sehr guten 132 Zählern.

Fragebögen an 2318 Betriebe

Jeweils im Frühjahr und im Herbst befragt die Handwerkskammer Oldenburg Betriebe aus dem Kammerbezirk. Für die aktuelle Umfrage erhielten 2318 Betriebe den Fragebogen. Die Rücklaufquote lag bei 12,2 Prozent.

Der Geschäftsklimaindex setzt sich aus dem Saldo aus „guter“ und „schlechter“ Geschäftslagebeurteilung sowie dem Saldo aus „guten“ und „schlechten“ Geschäftserwartungen zusammen. Ein Index von unter 100 Punkten bedeutet eine negative Einschätzung, ein Wert über 100 eine positive.

„Die Baukonjunktur brummt“, sagt HWK-Präsident Manfred Kurmann. Und davon profitiert nicht nur das Bauhauptgewerbe, also etwa Maurer, Zimmerer und Dachdecker, sondern auch das Ausbaugewerbe, also etwa Tischler, Elektrotechniker und Klempner, sowie das Zulieferhandwerk. „Das wirtschaftliche Umfeld für Investitionen ist unverändert günstig“, begründet HWK-Betriebsberater Klaus Hurling die sehr gute konjunkturelle Entwicklung.

Langzeit-Boom seit 2011

Das schlägt sich auch im Geschäftsklimaindex im Oldenburger Land insgesamt nieder, der nach 120 Punkten im Frühjahr 2017 nochmals um satte zehn Punkte auf 130 Zähler im Frühjahr 2018 gestiegen ist. „Wir befinden uns seit 2011 in einem Langzeit-Boom, was die Konjunktur angeht“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke.

Doch nicht überall ist die Lage so rosig wie rund um den Bau. Während das Kfz-, das Nahrungsmittel- und das Dienstleistungshandwerk immer noch gute Werte um die 110 Punkte erreichen, wird das Geschäftsklima im Gesundheitshandwerk zum zweiten Mal in Folge mehrheitlich negativ eingeschätzt. Im Vergleich zum Frühjahr 2017 sackt der Index hier um 17 Punkte auf 79 Zähler ab.

„Wir haben insgesamt eine sehr große Spanne zwischen 144 Punkten im Ausbauhandwerk und 79 im Gesundheitshandwerk“, sagt Kurmann. Als Gründe verweist Hurling u.a. auf die starke Online-Konkurrenz, die starke Filialisierung bei Augenoptikern und Hörgeräteakustikern sowie das im Gesundheitshandwerk hohe Maß an Regulatorik.


Das Handwerk warnt deshalb auch vor Risiken. „Ich denke, wir dürfen die gute Konjunktur nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen“, sagt Henke. Statt Überschüsse für allgemeine Wohltaten zu verplanen, müsse die Politik vor allem dazu beitragen, dass Fachkräfteversorgung und Unternehmensnachfolgen gesichert würden. Zudem müssten weitere Belastungen, etwa durch einen Zuwachs an Bürokratie, vermieden werden.

Zuwachs an Bürokratie

Dem stimmt auch Unternehmer Hermes zu und kritisierte zugleich die Datenschutzgrundverordnung als ein „Bürokratiemonster, das Kapazitäten bindet“. „Wir müssen in Deutschland aufpassen, dass der Mittelstand nicht ausstirbt“, warnte er vor immer neuen Anforderungen, die gerade kleine und mittlere Unternehmen treffen würden.

Die neue niedersächsische Anerkennungsprämie für Meister begrüßte Hermes dagegen grundsätzlich. „Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Gesellen ein paar Praxisjahre sammeln“, sagt er und spricht sich für eine nach Erfahrungsjahren gestaffelte Förderung aus. „Den Betrieben fehlen schon jetzt die Gesellen und den neuen Meistern fehlt vielfach die notwendige Praxiserfahrung“, sagt er.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft
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