Oldenburg - Wenn man doch nur in die Zukunft schauen könnte, als Stadtplaner. So bis zum Jahr 2025 würde schon reichen. Doch die Kristallkugel, die die Entwicklung einer Stadt vorhersagt, muss erst erfunden werden – weshalb sich die Städte vorerst um halbwegs realistische Szenarien bemühen. Dass sich ihre Methoden dabei ähneln, zeigte sich im Stadtgespräch „Wohnungsbau in Oldenburg. Heute und in Zukunft“ in der Bauwerk-Halle am Pferdemarkt.
Der Bogen wurde vor 100 Zuhörern indes weiter gespannt. Mit Rolf Grave, Stadtplaner aus Hannover, und Jens Weisner, Stadtplaner aus Mannheim, ließ „Bauwerk“ über den „Tellerrand gucken und nachdenken“ (so Stadtbaurätin Gabriele Nießen).
Überraschend: In ihren Zukunftskonzepten bis ins Jahr 2025 zeigen Oldenburg und Hannover viele Parallelen. Beide wollen das Wohnungsangebot stärken, besonders im günstigen Mietpreissegment; beide wollen ihre Stadt erfahrbarer und lebenswerter machen. Beide fassen darum in ihren Planwerken Einzelhandelsentwicklungspläne und Gewerbeflächenkonzepte, stadträumliche Leitbilder und Mobilitätsstrategien zusammen. Beteiligung von Bürgern und Wohnungswirtschaft sind ebenfalls üblich.
Und die Ziele sind ähnlich ambitioniert. Hannover rechnet bis zum Jahr 2025 mit rund 12 000 weiteren Einwohnern; 7990 Wohneinheiten mehr seien nötig, so Grave. Auch Oldenburg gedenkt in den nächsten zwölf Jahren weiter zu wachsen, muss also nicht nur die momentane Schieflage auf dem Wohnungsmarkt glätten, sondern auch vorausdenken. 350 Wohneinheiten seien derzeit „in der Pipeline“, weitere 1350 stünden in Bebauungsplanverfahren, kündigte Planungsamtsleiterin Elke Wicherts an.
Mannheim hat andere Sorgen. Die von Industrie geprägte Stadt am Rhein wächst eher wenig, die Bürger wandern ab. Gleichzeitig warten aber riesige 510 Hektar an bisherigen Militärflächen darauf, ins Stadtgefüge eingepasst zu werden. „Wir stehen ganz am Anfang“, so Weisner. Die neuen Flächen sollen in Mannheim eine „luftigere Struktur“ mit vielen Grün- und Freiflächen schaffen. „Eigenständige Stadtteile sollen entstehen, aber ohne die jetzige kasernenartige Struktur“, betonte Weisner, der prognostiziert, dass die Wohngebäude der US-Militärs „wohl zu 70 Prozent“ abgerissen werden – in Oldenburgs Zeiten des Wohnungsmangels undenkbar.
Worauf alle Pläne abzielen müssten, erläuterte Nießen: „Nicht erst hinterher – wir müssen uns jetzt erklären. Es muss positive Beispiele geben, wie unsere Stadt in Zukunft aussehen kann. Und diese Beispiele wollen wir jetzt schaffen.“
