OLDENBURG - Eine Welt aus Beton und Stahl: Hannelotte Hecker schreckt die Männerwelt der Baubranche nicht. Schon in ihrer Kindheit hörte sie von ihrem Vater, wie spannend es ist, als Unternehmer etwas zu bewegen. Das Bild der Städte mitzuprägen. Seit August 2007 steht die 34-Jährige selbst mit an der Spitze der Oldenburger Traditionsfirma Heinrich Hecker, die von ihrem Großvater 1949 gegründet wurde und 230 Mitarbeiter beschäftigt.
Dass sie als Dritte in der Generationenfolge die Firma übernehmen würde, entschied sich endgültig erst 2005. Ihr Vater Detlev Hecker hatte es ihr freigestellt. „Das habe ich immer als große Chance empfunden“, erzählt sie. Nur im Spaß hatte Hannelotte Hecker, die am Alten Gymnasium Abitur machte, bisweilen geflachst: „Ich studiere einmal Ethnologie.“ Tatsächlich wurde es aber Volkswirtschaft in Passau und Bonn, wo sie 2000 ihr Diplom machte.
Da war sie schon seit zwei Jahren mit ihrem kolumbianischen Mann Jose Luis Alvarez verheiratet und Mutter eines Sohnes. Kinder oder Karriere, diese Frage stellte sich ihr nicht. „Familie hat in meinem Leben immer einen großen Stellenwert eingenommen, und sie gibt mir auch heute Kraft für meine Aufgabe“, sagt die Mutter zweier temperamentvoller Söhne.
In der Stadt Oldenburg lebt sie wieder gern. Und dass Hecker mit den Heiligengeist-Höfen eines der zentralen Quartiere in der Innenstadt entwickelt hat und baut, darauf ist sie stolz.
Wichtig ist ihr aber auch der Blick über den Tellerrand. Schon während der Schulzeit faszinierte sie Südamerika. „Richtig freigeschwommen habe ich mich während eines Austauschjahrs in Bolivien.“ Sie engagierte sich dort im karitativen Bereich. Die Kulturen und Geschichten der Völker haben sie beeindruckt. Und in Südamerika lernte sie auch ihren Ehemann kennen.
Außerhalb Oldenburgs und in anderen Branchen gearbeitet zu haben, empfindet die Volkswirtin als ausgesprochen wichtig, etwa in Köln bei einem Versicherungskonzern, später auch in einem Schwesterunternehmen der Firma Hecker in Oberhausen. Während dieser Zeit pendelte sie, da Mann und Kinder noch in Bonn lebten.
Als Vater Detlev Hecker, lange Vorsitzender des Oldenburger Arbeitgeberverbandes, über den Ruhestand nachdachte, da wusste sie plötzlich doch genau, dass sie es nicht ertragen könnte, wenn die Firma verkauft würde. Gemeinsam mit Mitgesellschafter Werner Beisenbusch und dem Kaufmann Burkhard Hengst managt sie das Unternehmen mit Büros in Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein. Auch Detlev Hecker ist als Ratgeber in besonderen Fällen gefragt.
Und dass auf dem Bauschild des Jade-Weser-Ports auch der Name Heinrich Hecker steht, gefällt besonders ihren Söhnen. „Das Projekt wird die ganze Region voranbringen“, erklärt sie.
Auf Baustellen ist sie oft die einzige Frau. „Junge Unternehmerin zu sein, ist manchmal eine Herausforderung, aber auch eine Riesenchance.“
