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Elsflether Werft kurz vor Insolvenz

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Ein guter Draht bei Inklusion in der Region Oldenburg

04.12.2018

Oldenburg Von Fördermöglichkeiten für Inklusion wussten sie wenig. Als die Oldenburger Firma Eismann Haustecknik GmbH vor knapp zwei Jahren Vincent Abrahams unter rund 20 Bewerbern als Auszubildenden aussuchte, zählte allein der Mensch: „Wir hatten den Eindruck, dass er ein guter Elektriker wird“, erinnert sich Ausbildungsmeister Dirk Fürst an das Vorstellungsgespräch.

Was so selbstverständlich klingt, ist durchaus bemerkenswert, denn im Fall von Vincent Abrahams stand die Frage im Raum, wie er als Gehörloser auf einer Baustelle zurechtkommt.

Bei der Firma Eismann mit knapp hundert Mitarbeitern sagte man sich aber: einfach ausprobieren, und bot dem jungen Mann mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 100 nach einem Praktikum einen Ausbildungsvertrag an.

Im Arbeitsalltag war es dann allerdings doch nicht so einfach. Wegen der starken Nebengeräusche auf Baustellen bekam Vincent Abrahams die Arbeitsanweisungen der Kollegen nicht mit. Er trägt ein Cochlea-Implantat, eine Hörproteste. Damit er andere Menschen versteht, muss er sie anschauen. „Das ist auf Baustellen nicht unbedingt üblich“, sagt Dirk Fürst.

Vincent Abrahams traute sich aber nicht zu sagen, dass er die Anweisungen nicht verstand, so kam es zu Konflikten, und die Firma stand vor der Frage: Wer kann helfen? Felix Stock, der die Geschäftsführung kurz zuvor von seinem Schwiegervater übernommen hatte, war in der Situation froh, dass er vom Unternehmens-Netzwerk Inklusion erfuhr.

Vielfältiges Angebot für Betriebe bei Fragen zur Inklusion

„Unternehmens-Netzwerk Inklusion“ ist zentraler Ansprechpartner für kleine und mittelständische Betriebe, die Menschen mit Schwerbehinderungen beschäftigen möchten. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) entwickelt und ist in acht Bundesländern aktiv. Projektpartner in Niedersachsen ist das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW).

Die Initiative versteht sich als Partner der Arbeitgeber und bietet persönliche Beratung bei allen juristischen und fachlichen Fragen. Ansprechpartner für die Region Oldenburg ist Marcus Jeske, Telefon 0441/21906-45, E-Mail: marcus.jeske@bnw.de.

Sämtliche Angebote – von Beratungen über „Runde Tische“ bis Netzwerkarbeit –sind für die Unternehmen kostenlos. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aus Mitteln des Ausgleichsfonds.

    www.unternehmens-netzwerk-inklusion.de

Marcus Jeske, der die Arbeitgeber in der Region Oldenburg betreut, zeigte auf, an wen sich Felix Stock mit welchem Anliegen wenden kann. „Das lief alles schnell und unkompliziert“, blickt der Geschäftsführer zurück. Von der begleiteten betrieblichen Ausbildung (bbA) der Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg kam Monika Plagge in den Betrieb und half mit fachlicher Betreuung und sozialpädagogischer Begleitung, die anfänglichen Kommunikationsprobleme zu lösen. Auch heute besucht sie die Firma Eismann noch regelmäßig, steht mit ihren Inklusionserfahrungen aus anderen Betrieben zur Verfügung und hilft bei Hausaufgaben oder Prüfungsvorbereitung.

Weitere wichtige Anlaufstelle für die Firma Eismann war die Arbeitsagentur, die die Kosten für die Schulausbildung von Vincent Abrahams beim Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg Essen (RWB) übernimmt. Im Blockunterricht verbringt er dort insgesamt rund zwölf Wochen pro Jahr im Internat. Sehr hilfreich fand Felix Stock außerdem, dass er auf Vermittlung von Marcus Jeske jemanden vom Integrationsamt kennengelernt hat. Auch wenn die Firma aktuell noch keine Unterstützung von der Behörde benötigt, sei es schon einmal schön zu wissen, „wie die Ansprechpartner ticken“. Für eine eventuelle spätere Zusammenarbeit hat er ein gutes Gefühl.

Und noch ein Angebot des „Unternehmens-Netzwerk Inklusion“ sieht Felix Stock als Gewinn für Unternehmen, die sich in Sachen Inklusion engagieren: Drei- bis viermal im Jahr treffen bei „Runden Tischen“ Personalverantwortliche mit Teilhabe-Experten zusammen und tauschen sich über ihre Erfahrungen in der Praxis aus. Das sei viel anschaulicher und glaubwürdiger, wenn andere Unternehmer berichten, zumal dann auch eventuelle Probleme zur Sprache kommen.

Besonders beeindruckt hat Felix Stock der „Runde Tisch“ im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Oldenburg. Die Besucher konnten mit einer Simulation über Kopfhörer erleben, wie Hörgeschädigte die Welt wahrnehmen. Ein Erlebnis, an das er im Umgang mit seinen gehörlosen Mitarbeitern sicher noch häufiger denken wird.

Nach Vincent Abrahams hat die Firma Eismann einen weiteren Kollegen mit Hörschaden eingestellt, im Juni kam der 22 Jahre alte Jan-Henrik Peters hinzu. Für Marcus Jeske ein gelungenes Beispiel für die Nachhaltigkeit der Netzwerk-Arbeit: „Wenn ein Betrieb gute Erfahrungen macht, stellt er wieder jemanden mit Schwerbehinderung ein.“ Und an Wissen über Fördermöglichkeiten ist dann schon viel mehr vorhanden.

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Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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