Oldenburg/Varel/Bad Zwischenahn - Björn Schaeper war begeistert – was die Auszubildenden der Region an Energiesparmöglichkeiten in ihren Betrieben aufgespürt hätten, das sei schon eindrucksvoll, inhaltlich gut und insgesamt sehr vielseitig, sagte der Geschäftsführer der Oldenburgischen Industrie– und Handelskammer (IHK) nach der Preisverleihung des Projektes „Energiescouts“ am Mittwoch in Oldenburg.

Dabei geht es um die Vermeidung von Kosten und die Schonung der Umwelt. 29 Azubis aus neun Betrieben im Oldenburger Land hatten sich beteiligt. Sie machten sich seit Dezember 2017 nach intensiver Vorbereitung auf die Suche nach Möglichkeiten, Energie einzusparen und zugleich nachhaltiger zu wirtschaften, erläuterte IHK-Umwelt- und Energiereferent Torben Kokott. Die Spannweite der Vorschläge sei breit – sie reichten bis zur Optimierung von Beleuchtung, Fertigungsprozessen und Mitarbeiterschulungen.

Der 1. Preis ging in diesem Jahr an Auszubildende des Flugzeugbau-Zulieferers Premium Aerotec in Varel. Auf den 2. Platz kamen die Azubis der Hüppe GmbH (Bad Zwischenahn) und auf dem 3. Platz landete der Nachwuchs von BASF Coating in Oldenburg. Als Preise gibt es Eintrittskarten zu Veranstaltungen wie einem Spiel der EWE Baskets. Die Projekte selbst würden nun in den Firmen bewertet – bevor sie mit ihrem Potenzial vermutlich oft Einzug in Investitionspläne hielten, meinte Schaeper hoffnungsvoll. Bei Premium Aerotec in Varel sahen sich die Energiescouts die noch neue Fertigungsanlage für Türrahmen genauer an, konkret die zentral gesteuerte Absaugung dieser Arbeitsplätze in der Montage. Man habe erhebliche Leerlaufzeiten ermittelt, erläuterten die angehenden Mechatroniker Timo Loeffler, Daniel Weidhüner und Christoph Wiencken. Am Ende stand der Vorschlag, die Absaugung individuell zu steuern – je nachdem, wo wirklich gearbeitet wird. Dies sei aber „nur die Spitze“ dessen, was man alles herausgefunden habe. Die Ersparnis sei mit 20 000 Euro pro Jahr errechnet worden, bei einer Amortisierung nach anderthalb Jahren. Beim Badezimmer-Ausrüster Hüppe ging es um die Verpackung von Duschabtrennungen mit Hilfe von Heißklebepistolen. Es sei aufgefallen, dass es dort teils keine Abschaltung in Pausen oder nach Feierabend gab, berichten die Azubis. „Wir fragten also nach“, erzählten die Azubis Lea Heuer und Collin Stevens, die mit ihrer Betreuerin Saskia Hillje zur Preisverleihung kamen. Solche Phasen machten 42 Prozent der Laufzeit aus. Die angehenden Industriekaufleute rechneten alternative Methoden durch. Am Ende stand eine Mitarbeitersensibilisierung für das Thema Energie. Konkrete Tipps laufen sogar über einen Ticker im Intranet. Bei BASF Coating in Oldenburg machten sich angehende Chemikanten an ein kompliziertes Thema: Die Schutz-Überlagerung (gegen Feuchtigkeit) von fertigen Produktgebinden mit Stickstoff. Sven Duesmann, Toni Fürst, Niklas Janzen und Neele Wichtrup entwickelten als Alternative ein Verfahren mit getrockneter Druckluft – was Kosten vermeidet, wie der stolze Werkleiter Mark Paßkowski bestätigt.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)