OLDENBURG - Der Boom der erneuerbaren Energien lässt auch über dem Genossenschaftssektor im Weser-Ems-Gebiet die Sonne scheinen. Binnen kurzer Zeit seien 17 Solar-Genossenschaften gegründet worden, berichtete Georg Litmathe, Direktor des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems (GVWE), am Dienstag beim Verbandstag 2008 in Oldenburg. Es gebe weitere Initiativen, darunter auch eine an der Universität Oldenburg.
Der Verband hatte ein Gründungskonzept gezielt für Energie-Genossenschaften entwickelt. Ziel seien bis Jahresende mindestens 20 Neugründungen.
Die positive Geschäftsentwicklung der Genossenschaftsbanken im Nordwesten – einer zentralen Säule des Genossenschaftsverbandes – setzt sich unterdessen 2008 überwiegend fort, wie Litmathe erläuterte. Bis zur Jahresmitte sei das Kreditgeschäft um 2,6 Prozent gewachsen.
Dagegen schrumpfte der Einlagenbestand um rund 1,7 Prozent. Litmathe kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Finanzverwaltung des Bundes sich in den Geldmarkt einmische und ein Tagesgeld-Angebot eingerichtet habe. Dies verzerre den Markt, weil der Bund nicht – wie die Banken – diverse Kostenblöcke am Bein habe. Generell warnte Litmathe vor weiteren bürokratischen Auflagen für die Banken. Diese müssten sich weiter verschlanken.
Litmathe rief die Milchbauern dazu auf, sich nach dem teils hitzigen Streit um die Milchpreise „wieder mehr mit ihrem Unternehmen zu identifizieren“. Die genossenschaftliche Organisationsform eröffne „die Riesenchance, möglichst große Teile der Wertschöpfungskette für sich nutzen zu können“.
Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV/Berlin), Manfred Nüssel, forderte für den Milchsektor ein „Bekenntnis zur Wettbewerbsgesellschaft“. Es habe keinen Sinn, „Zäune zu bauen oder die Milchmenge zu begrenzen“. Die Bauern forderten allerdings für einige Zeit Flankenschutz beim Abbau der Jahrzehnte alten Marktordnungen. „Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagte er. Größeren und breit aufgestellten Molkereien gehöre die Zukunft, sagte der DRV-Chef. Die Aktivitäten des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems – etwa bei Neugründungen – seien vorbildlich für andere Regionen.
Der Verband sei mit seinen Strukturen für die Zukunft gut gerüstet, sagte Verbandsrats-Vorsitzender Reinhard Schoon (Raiffeisen-Volksbank Aurich). Seine Eigenständigkeit sei im Interesse der Mitglieder „weiter gesichert“.
Der Präsident der Universität Oldenburg, Professor Uwe Schneidewind, riet in einem Grußwort zu mehr gemeinschaftlicher Vermarktung der regionalen Hochschulen gegenüber Studierenden und Lehrkräften. Die Hochschullandschaft sei mittlerweile „äußerst vital“. Er schloss auch eine „Hochschul-Genossenschaft“ nicht aus.
Die Fernseh-Moderatorin Petra Gerster forderte in ihrem Gast-Vortrag die deutschen Manager auf, ethische Grundsätze einzuhalten. Von Eliten werde mehr als nur Erfolg erwartet. Sie übten eine Vorbildfunktion aus. Bei einem dauerhaften Versagen könnte das ganze „System an Unehrlichkeit zu Grunde gehen“.
