OLDENBURG - Zöliakie ist eine Unverträglichkeit des Klebereiweißes Gluten. Inzwischen ist sie zur Volkskrankheit geworden.

von Monique Berends

Das Klebereiweiß Gluten ist der Grund dafür, dass in der EU Hochrechnungen zufolge etwa 2,5 Millionen Menschen an einer chronischen Dünndarmentzündung leiden. An diesem Sonnabend treffen sich in Hamburg zum Welt-Zöliakie-Tag Betroffene, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen. Organisator ist die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG). In Oldenburg wird die DZG von Doris Wiemuth vertreten. Sie bietet eine reglmäßige Gesprächsgruppe und Backkurse an.

Durch die Aufnahme des in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Grünkern und Gerste enthaltenen Gluten kommt es zu Übelkeit, Durchfällen, Appetitlosigkeit und Körpergewicht unter der Altersnorm. Aber auch untypische Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit bis hin zu Langzeitfolgen wie Osteoporose weisen auf eine Zöliakie-Erkrankung hin.

Die Symptome können so unterschwellig auftreten, dass die Krankheit erst spät erkannt wird. Dies kann schlimme Folgen haben: Die Entzündungserscheinungen des Darms können auf Dauer zu Entartungen der Zellen und somit zu Krebs führen.


Zöliakie-Patienten bleibt nichts anderes übrig, als sich lebenslang glutenfrei zu ernähren. Das bedeutet Verzicht auf herkömmliche Getreideprodukte, Süßigkeiten und sogar Bier. Zwar gibt es inzwischen genügend Hersteller, die glutenfreie Produkte anbieten, doch diese sind oft um ein vielfaches teurer als die „normale“ Alternative. Während ein Kilo gewöhnliches Weizenmehl um einen Euro kostet, bezahlen Zöliakie-Patienten für das glutenfreie Gegenstück mindestens das Vierfache.

Was die Zöliakie-gerechte Ernährung besonders schwer macht, ist der Gebrauch von Gluten als Träger von Aroma-und Farbstoffen. Im harmlosesten Schokoriegel kann Gluten stecken, obwohl er kein Getreide enthält. Zwar sind Lebensmittelfabrikanten seit 2005 dazu verpflichtet, glutenfreie Produkte zu kennzeichnen, doch der oft aufgedruckte Satz „Kann Spuren von Gluten enthalten“ ist für die Patienten wenig verlässlich.

Ein Zöliakie-Patient muss genau wissen, wo sein Essen herkommt. Restaurantbesuche und entspannte Urlaube sind so kaum möglich. Denn welches Gasthaus hat schon Weißbrot ohne Weizen und Schnitzel ohne Semmelbröselpanade auf der Speisekarte?