OLDENBURG - Ist das Unternehmen SBE-Mikrotek in Nadorst eine eigenständige Firma oder eine verlängerte Werkbank des benachbarten Saia-Burgess-Werks? Diese Frage spielt eine große Rolle für die 74 Beschäftigten des Unternehmens, die wegen der Verlegung des Werks nach Ungarn bis Ende 2009 ihre Stelle verlieren. „SBE-Mikrotek ist als Lohnfertiger quasi vermögenslos“, sagt IG-Metall-Sekretär Peter Anders. Deswegen seien die Angebote der Geschäftsführung in Sachen Abfindung, Qualifizierungsgesellschaft und Arbeitsplatzerhalt „inakzeptabel niedrig ausgefallen“. Dagegen sei Saia-Burgess vergleichsweise gut aufgestellt. „Deswegen werden wir bei der Einigungsstelle zu widerlegen versuchen, dass Mikrotek ein eigener Betrieb ist“, sagte Anders. Sollte man Recht bekommen, könnten erheblich mehr Gelder fließen.
Für Gertrud Steinbeck vom Betriebsrat gibt es für die Annahme von verbundenen Betrieben gute Argumente: „Bei uns werden Schalter in Handmontage weiterverarbeitet, die bei Saia-Burgess gefertigt wurden. Wir haben die gleiche Personalabteilung und Lohnbuchhaltung.“ Zudem hätten bis Ende September – als die Werksschließung angekündigt wurde – die gleichen Personen beide Unternehmen geleitet.
„Wir brauchen einen guten Sozialplan und Qualifizierung “, sagt Gertrud Steinbeck. Viele Beschäftigte seien ungelernt, einige hätten noch keine Chance auf Rente und keine mehr auf dem Arbeitsmarkt – und wegen der internationalen Belegschaft gäbe es Sprach-Hindernisse für neue Stellen. Steinbeck: „Vor zwei Jahren, als schon einmal 45 Stellen abgebaut wurden, gab es einen guten Sozialplan – warum jetzt nicht?“
Adrian Carl, Personalchef von Saia-Burgess Deutschland und seit 1. Oktober auch Geschäftsführer des Oldenburger Mikrotek-Werks, hält die Unternehmen hingegen „für zwei ganz getrennte Paar Schuhe, die von den Produkten her gar nichts miteinander zu tun haben“. Die Verlegung nach Ungarn sei „wegen des steigenden Kostendrucks“ in der Autoindustrie unausweichlich. Co-Geschäftsführer Heinrich Sperling sagte, dass das Oldenburger Saia-Burgess-Werk aktuell nicht von einer Verlegung betroffen sei, da wegen des hohen Automatisierungsgrads und dem großen Anteil an Entwicklern die Lohnkosten nicht die Hauptrolle spielten.
