OLDENBURG - In Spitzenzeiten hatte Merkur 90 Auszubildende. Und alle sind nach der Lehre übernommen worden.

Von Christian Bartsch

OLDENBURG - Gut 50 Jahre ist es nun schon her, dass sie gemeinsam hinter den Tresen des Oldenburger Kaufhauses Merkur gestanden und Miederleibchen, Büstenhalter oder feine Damenstrümpfe verkauft haben. „Trotzdem fällt mir zu fast jedem meiner ehemaligen Lehrlinge eine Geschichte ein“, sagt Ruth Hoting und untertreibt maßlos. Denn wer sie von der Zeit um 1955 erzählen hört, erkennt schnell: Sie kann zu jeder der Damen weit mehr als eine Begebenheit berichten. Beim Wiedersehen im Oldenburger Ratskeller geht es deshalb auch hoch her, die Stimmung unter den ehemaligen Kolleginnen ist prima.

Christa Herpertz, damals Abteilungsleiterin, organisierte das Treffen. Ihr gemeinsamer früherer Arbeitsplatz, das Kaufhaus Merkur, eröffnete im April 1953 im heutigen Galeria-Kaufhof-Gebäude.

1965 wurde es in Kaufhaus Horten umbenannt. „Damals war das Gebäude ja noch viel schöner“, erinnert sich Herpertz, „die alte Fassade ist leider weggerissen worden.“

Bis zu 90 Auszubildende habe das Kaufhaus in Spitzenzeiten gehabt, berichtet Ruth Hoting, und alle seien nach der Prüfung auch übernommen worden. „Wenn einer der Lehrlinge kündigte, war für den Chef Weltuntergang“, erinnert sie sich. Damals leitete Albert Fuchs das Kaufhaus und wurde aufgrund seiner menschlichen Art – zumindest bei den im Ratskeller versammelten Damen – sehr geschätzt. „Wir haben den regelrecht geliebt“, gestehen sowohl Herpertz als auch Hoting ein und fügen hinzu: „Jede wollte ihm gefallen.“


Besonders in den ersten Nachkriegsjahren florierte das Geschäft. „Die Kunden rissen uns die Sachen aus den Händen, wollten unbedingt einkaufen“, erzählt Ruth Hoting, „Werbung brauchten wir nicht zu machen.“ In der Woche hätten die Verkäuferinnen damals an sechs Tagen 48 Stunden gearbeitet, „gemurrt haben wir nie, die Arbeit musste ja getan werden“. An allen vier Adventssonntagen sei ebenfalls geöffnet gewesen, berichtet Hoting: „Reihenweise sind dann die Kunden umgekippt, weil es noch keine Lüftung gab. Da herrschte richtig Sauerstoffmangel, sogar die Kerzen des Adventsgestecks gingen aus.“