Oldenburg/Wilhelmshaven/Emden/Leer/Nürnberg - Die sich abschwächende Konjunktur in Deutschland hinterlässt erste sichtbare Spuren auf dem Arbeitsmarkt: Im August stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juli um 44 000 auf 2,319 Millionen Menschen, gab die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag bekannt. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent und lag damit um 0,1 Punkte unter Vorjahresniveau.
Unterdessen scheint im Nordwesten dem lange Zeit auf Hochtouren laufenden Jobmotor allmählich die Puste auszugehen – kein Wunder angesichts der konjunkturellen Eintrübung durch außenwirtschaftliche Faktoren. Hinzu kommen Arbeitslosmeldungen von Schulabsolventen. Nach den zuvor starken Verbesserungen bei den Arbeitslosenzahlen hält sich der Arbeitsmarkt im Oldenburger Land und in Ostfriesland insgesamt nun nur noch knapp im Plus. In Teilregionen stieg – ungewohnt – die Arbeitslosenzahl zum Vorjahr wieder.
Ende August waren in den Arbeitsagenturen Oldenburg/Wilhelmshaven, Vechta und Emden/Leer insgesamt 45 219 Frauen und Männer als arbeitslos registriert. Dies waren 302 mehr als im Vormonat Juli. Zugleich blieb der Rückgang gegenüber dem Vorjahres-Vergleichswert mit 137 nur noch knapp über der Nulllinie. Zum Vergleich: Ende Juli waren es noch 1269 weniger als 2018, Ende Juni 1663, im Mai sogar noch 1972.
Nachfrage in Oldenburg
Relativ stark war die Arbeitskräfte-Nachfrage im Jahresvergleich weiterhin im Agenturbezirk Oldenburg/Wilhelmshaven: Dort sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber August 2018 um 462 auf 23 642. Gegenüber dem Vormonat Juli gab es 159 Arbeitslose mehr. „Die Zahl der Neueinstellungen und der neu gemeldeten Stellen ist niedriger als im Vorjahr“, stellte Agenturchef Dr. Thorsten Müller fest. Zudem hätten sich noch Schulabgänger – erfahrungsgemäß vorübergehend – arbeitslos gemeldet. „Wir haben über 7000 offene Stellen“, sagte Müller, wohl mit Blick auf erste Unkenrufe am Arbeitsmarkt und starken Fachkräftemangel.
Im Bezirk Vechta wurde dagegen der Positiv-Trend spürbar gebrochen: In den angeschlossenen Kreisen Vechta und Cloppenburg gab es Ende August 307 mehr registrierte Arbeitslose (insgesamt 7127) als ein Jahr zuvor, gegenüber dem Vormonat plus 111. „Zwar wurden jetzt nach den Ferien wieder vermehrt Einstellungen vorgenommen, aber es wurde auch Personal von den Betrieben freigesetzt“, bilanziert Tina Heliosch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur in Vechta. „Zudem meldeten die Betriebe weniger freie Stellen. Alle Indikatoren deuten weiterhin auf eine konjunkturelle Eintrübung hin.“
Relativ wenig Bewegung meldete dagegen der Agenturbezirk Emden-Leer: Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen Ende August im Jahresvergleich um 18 (auf 14 450) und zum Vormonat Juli um 32. „Und das, obwohl viele junge Menschen, die im Sommer ihre Ausbildung abgeschlossen haben, noch nicht in einer Anschlussbeschäftigung sind“, stellte Agenturchef Roland Dupák durchaus mit Freude fest. Wie sieht er die weitere Entwicklung? „Die Steigerungsraten der letzten Jahre haben sich merklich abgekühlt. Ob es sich nur um eine Konjunkturdelle oder eine angespanntere Arbeitsmarktentwicklung handelt, kann erst mit Ende der Saisonbeschäftigung beurteilt werden.“
Auf dem Arbeitsmarkt in Niedersachsen zeigen sich letzte Auswirkungen der üblichen Sommerflaute. Die Arbeitslosigkeit ist leicht gestiegen, nachdem sich weitere Schulabsolventen übergangsweise arbeitslos gemeldet haben. Im August waren 224 027 Menschen arbeitslos, wie die Agentur für Arbeit am Donnerstag in Hannover mitteilte. Das waren 0,7 Prozent mehr als im Juli, aber 1,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg landesweit um 0,1 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent.
Top-Wert im Emsland
Die beste Arbeitslosenquote wurde mit 2,5 Prozent im Emsland erreicht. Dagegen wurden mehr als acht Prozent in den kreisfreien Städten Emden, Salzgitter und Delmenhorst registriert. Spitzenreiter mit 10,5 Prozent war die Stadt Wilhelmshaven, die sich eigentlich gern einmal unter der „Zehn“ etablieren würde.
„Während sich die Arbeitslosigkeit wie saisonal üblich entwickelt, wird auf dem Stellenmarkt eine leicht nachlassende Personalnachfrage sichtbar“, sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Vor allem Zeitarbeitsunternehmen suchten deutlich weniger Personal. Dies ist in konjunkturellen Abschwungphasen durchaus üblich. Für das Land insgesamt wurde aber zudem beobachtet: Rückgänge gebe es auch im verarbeitenden Gewerbe, auf dem Bau und im Gastgewerbe. Positiv: Mehr Personal gesucht wird dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltung.
Im Land Bremen waren im August 37 171 Menschen arbeitslos, ein Prozent mehr als im Juli und 5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent. Grafik:
