OLDENBURG - 400 Milliarden Euro schwer ist das chinesische Konjunkturprogramm. Eine mächtige Summe – aber der Westen blickt vorwiegend auf die Unsummen, die die US-Regierung in den Markt pumpt. Nicht der ganze Westen. Heimlich, still und leise hat sich eine Oldenburger Allianz aus Rathaus, Wirtschaft und Wissenschaft darum bemüht, einen Teil der Pekinger Konjunkturspritze in die Stadt zu holen. Mit Erfolg: Die China-Initiative des Oberbürgermeisters hat einen echten Durchbruch aufzuweisen: Im chinesischen Huaxi werden Öko-Siedlungen mit Oldenburger Expertenwissen geplant, die als Modell für den ökologischen Umbau Chinas dienen (NWZ berichtete).
Am 13. März unterschrieb Schwandner nach viermonatiger Sondierung in Huaxi (Provinz Guizhou) Vereinbarungen mit der chinesischen Seite, die als Grundlage für die Oldenburger Mitwirkung dienen. Mit der Stadt im Boot sind zunächst drei Projektentwickler sowie Uni und Hochschule. Dazu wird eine deutsch-chinesische Lenkungsgruppe eingesetzt.
Politik hat Türen geöffnet
Axel Iven (Projektbüro Iven&Feeken/Planungsbüro Leasyn) berichtete der NWZ , dass er bereits seit 14 Tagen intensiv mit chinesischen Investoren aus Huaxi verhandle und „unter Hochdruck“ Präsentationen vorbereite. Er betonte, dass „die Politik Türen öffnen muss, damit wir Unternehmer in China Geschäfte generieren können“ und bestätigte damit Schwandners Haltung. Gerhard Bookjans vom Solar-Projektentwickler IFE Eriksen untermauerte das: „Die Stadt ist voranmarschiert und hat die Türen geöffnet.“
„Man hat in China erkannt, dass Oldenburg es ernst meint mit seiner China-Initiative“, sagte Wei Zuo, Leiterin des China-Büros im Rathaus. Insbesondere sei gewürdigt worden, dass die Stadt mit den Netzwerken Oldenburger Energie-Cluster (Olec) und Umwelttechnologie-Netzwerk (UNO) Staat, Wissenschaft und Wirtschaft bei den Schlüsselthemen für Chinas künftige Entwicklung zusammengeführt habe.
Die Volksrepublik will 40 Prozent ihres 400-Milliarden-Euro-Programms in Umweltmaßnahmen für Boden, Luft und Wasser investieren. „Die Anforderungen sind sehr hoch“, berichtete Thomas Raabe vom Umwelt-Unternehmen Aqua Ecology. Sämtliche Projekte, die aus dem Konjunkturprogramm finanziert werden sollen, müssen von der Zentralregierung abgesegnet werden. Sie sollen später als Vorbild für andere Regionen Chinas dienen.
„Die Regierung“, sagte Raabe, „hat erkannt, dass China am Scheideweg steht: Nur über die Bewahrung der Umwelt lasse sich weiterer wirtschaftlicher Aufschwung realisieren.“. Die Oldenburger Projekte seien in diesem Prozess durchaus aussichtsreich – auch weil Uni und Fachhochschule mit chinesischen Partnern, u.a der Elite-Universität in Gudzuhn Maßstäbe für das Messen des ökologischen Erfolgs erarbeiten und für die Verbreitung der Erkenntnisse in China sorgen wollen.
Wissenschaftler begeistert
Uwe Schneidewind, Ex-Uni-Präsident vom Lehrstuhl für Produktion und Umwelt, sprach angesichts der Vereinbarung von einem „idealtypischen Verlauf“. Die Stadt habe mit ihrem China-Desk schnell auf das chinesische Konjunkturprogramm reagiert. Es habe sich gezeigt, „dass der Oberbürgermeister als staatlicher Vertreter im chinesischen Konzept einen gewaltigen Stellenwert hat“.
Schneidewind Kollege Carsten Sperling sprach von „begeisternden Aussichten“, das Wissen um ökologisches Bauen in China umzusetzen: „Dort wird jedes zweite Gebäude entstehen, das weltweit gebaut wird“. Jan Middelberg von der Fachhochschule ergänzte: „In der Perspektive von zehn bis 20 Jahren werden durch veränderte Bauweisen in China weltrelevante Energieströme beeinflusst. Wir sind sehr froh, dass wir da eingreifen können.“
