OLDENBURG - Über das Sozialverhalten von Schimpansen fühlte sich Prof. Dr. Martin Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission und Leiter des Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) in Düsseldorf, zum Ende seiner Schulzeit besser informiert als über wirtschaftliche Themen. „Was ein Bruttosozialprodukt ist oder wie Börsenkurse entstehen, wusste ich nicht“, bedauerte der gebürtige Quakenbrücker.
Rund 120 Gäste
Wo Bildung fehlt, sind Vorurteile stark. Um diesem Missstand abzuhelfen, setzt die Wirtschafts-Bildungsinitiative Wigy (Oldenburg) auf wirtschaftliche Aufklärung an öffentlichen Schulen. Beim Wigy-Forum 2010, zu dem am Freitag rund 120 Gäste aus Wirtschaft und Schulbetrieb in die Oldenburgische Landesbank kamen, hielt Haucap ein Plädoyer für ein besonders gern geschmähtes Phänomen: den Wettbewerb.
Tatsächlich, erläuterte der Ökonom, verleihe der Wettbewerb gerade den vielen Verbrauchern Macht. Die Folgen seien offensichtlich, etwa im Flugverkehr oder in der Telekommunikation. Es gebe ein breiteres Angebot, größere Vielfalt und geringere Preise: „Früher stand an den Telefonzellen: Halte dich kurz. Heute heißt es: Quatsch dich frei“, spitzte Haucap zu.
Natürlich bedeute Wettbewerb auch Risiko. „Wenn ich ein Café führe und neben mir macht ein neues auf, dann verliere ich Kunden“, sagte Haucap. Doch das Risiko des einen sei eben auch die Chance des anderen – das werde häufig vergessen.
Für den Schwerpunkt „Wettbewerb“ hatte sich Dr. Werner Brinker, Vorsitzender des Wigy, eingesetzt. „Gerade nach der Finanzkrise ist es wichtig, auf Chancen und Risiken hinzuweisen“, sagte er. Prof. Dr. Hans Kaminski, Direktor des Instituts für Ökonomische Bildung Oldenburg (IÖB), ergänzte: „Das ist Aufklärung im klassischen Sinne.“ Die Schulen müssten mündige Bürger hervorbringen, die sich in den täglichen Debatten zurechtfinden.
Fünf Schüler berichten
Wie genau die Aufklärung durch Wigy in die Schulen getragen wird, erläuterten zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des IÖB. Julia von Walcke-Schuldt stellte das Internetportal „Maritime Wirtschaft und Logistik“ (www.marwilo.de) vor, auf dem unter anderem Lehrer Unterrichtsmaterial beziehen können. Simone Malz erläuterte das Projekt „Wirtschaft und Energie“. In einem so betitelten Arbeitsheft werden Grundlagen für die Sekundarstufe I an Haupt- und Realschulen aufbereitet.
Abschließend berichteten fünf Schüler und Schülerinnen des Alten Gymnasiums von ihren Erfahrungen, nachdem sie fünf Jahre den Kurs Wirtschaft und Informatik bei Dr. Karl-Josef Burkhard belegt hatten. „Wir können jetzt Nachrichten besser verstehen“, sagte die 18-jährige Helya Andouz. Ob Opelkrise, Steuersenkungen zur Steigerung der Binnennachfrage – die Schüler fühlten sich den öffentlichen Debatten inzwischen gewachsen.
