OLDENBURG - In Oldenburg kann man nicht nur rund um die Uhr einkaufen. Auch ein Haarschnitt oder eine Kopie sind noch bis in die Nacht zu bekommen.
Von Christian Quapp
OLDENBURG - Am Sonntag noch Würstchen für die Grillparty besorgen – das ist mit Tankstellen, die einem kleinen Supermarkt gleichen, kein Problem. Und in vielen Bäckereien war es schon immer möglich, bereits Stunden vor der Ladenöffnung frische Brötchen und Brote zu bekommen – man klopfte eben einfach an die Tür der Backstube. Verhungern muss wegen des Ladenschlusses also niemand. Aber wie sieht es mit den Dienstleistern aus? Da steht König Kunde häufig nach 18 Uhr vor verschlossenen Türen. Doch es geht auch anders:Christian Heyne hat zum Beispiel das Mittel gegen die Horrorvorstellung jedes Studenten – der Abgabetermin für die Diplomarbeit steht vor der Tür, die letzten Korrekturen sind in den Text eingegeben, aber jetzt muss das Werk noch kopiert und gebunden werden. Da zählt manchmal jede Minute, das weiß auch Heyne. Der 40-Jährige ist der Chef des Copy-Shop „Papier-stau“ an der Cloppenburger Straße und bietet einen besonderen „Spätdienst“: „Wenn ich rechtzeitig davon weiß, kann man mir die Sachen bis 24 Uhr vorbei bringen. Wenn der Kunde erst um 19 Uhr anruft, wird es aber auch für mich schwierig, ich habe ja abends manchmal auch noch etwas vor“, erklärt Heyne. Ungefähr einmal pro Monat macht jemand einen Termin aus, meist sind es Studenten. Die waren es auch, die Heyne auf die Idee brachten. „Die kamen öfter mal und fragten, ob es möglich wäre, nach 20 Uhr zu kopieren. Da lag es auf der Hand, diesen Service anzubieten.“ 15 Euro pauschal kostet es, wenn Heyne für die Kunden länger im Laden
bleibt.
Die Idee, den Friseursalon „mod’s hair“ in der Hindenburgstraße am Freitag bis 21 Uhr zu öffnen, kam auch durch eine Kundin. „Die war schon jahrelang bei uns, bekam dann Kinder und konnte nicht mehr zu den regulären Zeiten kommen“, erinnert sich Juniorchef Patrick Kolbe. Das Team beschloss, den Salon bis 23 Uhr zu öffnen. „Viele andere Dienstleister, die selbst bis 20 Uhr arbeiten, nutzten die verlängerten Öffnungszeiten“, weiß Friseur Kalle Zwiener. Inzwischen fallen die Haare nur noch bis 21 Uhr, und meistens sind die Termine schnell vergeben. „Kein Wunder“, findet Kundin Meike Maric. „Das ist ein toller Service, ich bin nur noch abends hier. Dazu die freundlichen Leute, es ist einfach Klasse.“
Das besagt das LadenschlussGesetz
Nach Paragraph drei des Ladenschlussgesetzes dürfen „Verkaufsstellen“ an Werktagen zwischen 20 Uhr und sechs Uhr nicht geöffnet haben.
Ab 2007 sollen die gesetzlichen Ladenschlusszeiten in vielen Bundesländern ganz aufgehoben werden.
Auf Handwerks- und Dienstleistungsbetriebewird das Ladenschlussgesetz nicht angewendet, so lange diese Betriebe nicht gleichzeitig eine Verkaufsstelle im Sinne des Ladenschlussgesetzes unterhalten. Friseurbetriebe unterliegen erst seit dem 1. Juni 2003 nicht mehr dem Ladenschlussgesetz.
Neben Sonderregeln für Apotheken gibt es solche auch für viele andere Verkaufsstellen zum Beispiel an Bahnhöfen und Flughäfen, für Kioske, Bäckereien und Verkaufsstellen für frische Milch und frische Blumen.
